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Visionärinnen im Atelier-Salon - Ursula Mueller & Vera Volni

Aus dem Erbe von August Croissant wird ein lebendiger Kulturort

Wenn man einen Blick in den idyllischen Landauer Hinterhof wirft, erwartet man kaum, was dahinter liegt: ein Ort voller Charme, Geschichte – und Magie. Hier, im Atelier-Salon, verschmelzen Kunst, Kultur und Begegnung zu einem lebendigen Ganzen. Eine Idee, die ohne die Vision und Tatkraft der beiden Künstlerinnen Ursula Mueller und Vera Volni nie entstanden wäre.

"Für mich war Arbeit und Leben immer eins“, sagt Ursula Mueller und lacht. Schon früh wusste sie, dass sie ihren eigenen Weg gehen würde – mit Herz, Hand und Verstand. Geld verdient sie als Immobilienmaklerin mit Sachverstand, doch für sie war jedes Gebäude mehr als nur ein Materie: „Häuser sind Lebewesen. Sie atmen, haben eine Seele.“ Diese Liebe zum Bauen kommt nicht von ungefähr – schon als Kind war sie mit ihrem Vater, einem Zimmermann, in der Werkstatt und auf Baustellen unterwegs und lernte, was solide Substanz bedeutet. Eine wichtige Voraussetzung für ihren späteren Beruf als Immobilienmaklerin, mit Fokus auf denkmalgeschützten Gebäuden.

Pure Inspiration

Die Kunst ließ sie nie los. Gemeinsam mit ihrer Vera Volni, einer Kunstmalerin aus Budapest, suchte sie lange nach einem Raum für freie künstlerische Arbeit. Als ihnen eines Tages ein heruntergekommenes Hinterhaus in Landau angeboten wurde, war sofort klar: Das ist es! „Ich bin da reingelaufen und war wie benommen. Es war wie eine Offenbarung.“ Keine Heizung, heruntergekommene Fassaden, bröckelnde Wände – und trotzdem: pure Inspiration.

Auf den Spuren von August Croissant

Ein Original von August Croissant

Beim Stöbern im Stadtarchiv entdeckten die beiden, dass das Gebäude einst August Croissant gehört hatte – einem Landauer Maler um 1900, der aus einer Hugenottenfamilie stammte, die über mehrere Generationen künstlerisch tätig waren. In Landau jedoch war dies nicht sichtbar gewürdigt. Ursula und Vera wollten das ändern. Sie nahmen Kontakt zu Croissants Erben auf, erfuhren, dass große Teile des Nachlass versteigert worden waren, forschten, sammelten und riefen über die Rheinpfalz dazu auf, verschollene Werke wiederzufinden. Viele Landauer meldeten sich, manche unter Tränen: „Unsere Kinder würden das sonst wegwerfen.“ So entstand und entsteht noch weiter eine digitale Sammlung, liebevoll dokumentiert, mit dem Ziel, Croissants Erbe wieder sichtbar zu machen – und Landau ein Stück Geschichte zurückzugeben.

Atelier-Salon - Kunst- und Kulturförderung

Das Gebäude wurde mit viel Eigenleistung saniert, die obere Etage anfangs vermietet, unten entstand ein Ort, der mehr ist als eine Kunstgalerie: das Atelier-Salon, Kunst- und Kulturförderung. Der Name ist Programm – inspiriert von den 1920er-Jahren, der Epoche, in der das Haus erbaut wurde. Möbel, Leuchten und dekorative Sammeltassen: Hier trifft Stil auf Seele. Samstags zwischen 10 und 15 Uhr duftet es nach Kaffee und Kuchen – liebevoll gebacken und serviert von ehrenamtlichen Helferinnen. Wer hereinschaut, bleibt oft länger, als er wollte. Denn hier darf man einfach sein, ohne Kunstverständnis oder Kaufabsicht.

Ein Ort mit Spirit

„Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich jeder willkommen fühlt“, erzählt Ursula. Und das gelingt: Ob Kunstliebhaber, Spaziergänger oder neugierige Nachbarn – alle sind Teil dieses lebendigen Kulturortes. Die Ausstellungen sind bewusst offen und integrativ gestaltet, kulturelle Vielfalt ist ausdrücklich erwünscht. „Es geht uns nicht ums Geldverdienen, sondern darum, Kunst zu fördern, Begegnung zu ermöglichen und einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen wohlfühlen, unabhängig davon, ob sie mit Kunst zu tun haben oder nicht.“

Heute ist das Atelier-Salon eine feste Größe in der Landauer Kulturszene – und doch geblieben, was es immer war: ein Geheimtipp. Wer einmal da war, spürt, was Ursula Mueller meint, wenn sie sagt: „Das ist der schönste Ort der Welt für mich. Ein Haus mit Spirit.“

Artists in Residence

Und die Visionen gehen weiter: Für 2026 planen die beiden das Projekt „Artists in Residence“ – Künstlerinnen und Künstler sollen für einen Monat, von Mitte August bis Mitte September 2025, eine „Residenz“ in Landau oder Umgebung beziehen dürfen, um dort künstlerisch zu arbeiten. "Das dürfen durchaus verrückte Orte sein, wir sind gespannt, was uns aus der Bevölkerung so zugetragen wird." Die entstandenen Werke werden dann beim „Tag der offenen Ateliers“ im September 2025 präsentiert - in den einzelnen "Residenzen" und mittels Gruppenausstellung im Atelier-Salon. Ein Festival, das Kunst und Stadt noch enger verbindet. Während der Projektdauer sind diverse öffentliche Exkursionen zu Kunst- und Kulturstätten der Region geplant.

Was Ursula Mueller sich wünscht?

„Mehr Wertschätzung für Kultur, sie ist so wichtig – und vielleicht auch mehr freiwillige, finanzielle Unterstützung. Denn das, was hier passiert, ist so viel mehr als Ehrenamt. Es ist Herzensarbeit.“

INFOBOX
Atelier-Salon, Fortstr.10, Hinterhaus, Landau

Website des Atelier Salon

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Seite bei http://archiv-croissant.de

Bericht über die Einweihung des Croissant-Archivs im Mai 2022

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Ursula Mueller, Redaktion

Tags: #AtelierSalon  #Kunst  #Croisannt  #Maler  #Kultur  #UrsulaMueller  #VeraVolni