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Uni und Stadt im Dialog

Psychologie mitten im Alltag

Wussten Sie, dass die Universität in Landau mehr bietet als Studienplätze für Lehrkräfte und Psychologen? Sie erforscht auch Alltagsthemen wie Angst, Stress oder Rückenbeschwerden – und Bürger können direkt davon profitieren. Prof. Dr. Julia Glombiewski, Expertin für Schmerz- und Verhaltenstherapie, macht deutlich: Forschung ist kein Elfenbeinturm, sondern praktisch erfahrbar - zum Beispiel in Mitmachprojekten, Übungen oder Veranstaltungen.

In der Ostbahnstraße 10 in Landau befindet sich das WIPP – der Weiterbildungsstudiengang in Psychologischer Psychotherapie. Es ist Teil der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), die über die ganze Stadt verteilt mehrere Gebäudekomplexe betreibt. Hier arbeitet ein engagiertes Team aus Therapeutinnen, Wissenschaftlerinnen und Mitarbeiterinnen, das Forschung und Praxis eng miteinander verbindet.

Prof. Dr. Julia Anna Glombiewski, Leiterin der psychologischen Ambulanz, ist Teil dieses Teams. Schon früh interessierte sie sich für Menschen, als sie als Kind beobachtete, wie ihr Großvater für sein Herzensprojekt - eine monatlich erscheinende regionale Zeitung - den halben Ort begeisterte und zum Mitmachen bewegte.

Ihr Interesse an Menschen blieb. Ein Praktikum in einer Schmerzklinik brachte sie erstmals mit chronisch kranken Patientinnen und Patienten in Kontakt. "Da habe ich erlebt, wie stark körperliche Beschwerden das tägliche Leben belasten – und wie sehr psychologische Begleitung dabei die Lebensqualität erhöhen kann." Diese Erfahrung bestärkte sie in ihrem Wunsch, Menschen durch Forschung und Therapie konkret zu unterstützen.

Mindset - die Macht der Erwartungen.

„Im Grunde trägt jeder Mensch etwas mit sich“, sagt Glombiewski. Belastende Erfahrungen gehören zum Leben. Entscheidend ist oft nicht nur das Erlebnis selbst, sondern wie Menschen damit umgehen können. Manche verarbeiten schwierige Situationen erstaunlich gut, andere entwickeln länger anhaltende Ängste oder depressive Symptome.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Resilienz, also die seelische Widerstandskraft. Warum manche Menschen belastende Erfahrungen besser bewältigen als andere, ist ebenfalls ein wichtiges Forschungsthema der Psychologie.

Ein weiterer zentraler Forschungsbereich ist das Mindset, also die Rolle von Erwartungen. „Unsere Erwartungen beeinflussen stark, wie wir Situationen erleben“, erklärt Glombiewski. Wer fest damit rechnet, dass etwas nicht gelingt, vermeidet es oft von vornherein. Wer dagegen erwartet, eine Situation vielleicht doch bewältigen zu können, probiert eher etwas aus – und sammelt neue Erfahrungen.

Im Video, das beim Neujahrsempfang Landau 2026 gezeigt wurde, erklärt Glombowski das Thema Mindset.

Ausschnitt aus dem Video "Neujahrsempfang der Stadt Landau 2026" mit dem Beitrag von Prof. Glombiewski.

Nicht nur reden. Sondern tun

Die Verhaltenstherapie verbindet Gespräche mit praktischen Übungen. „Nicht nur reden. Sondern tun", sagt Glombiewski. Bei Ängsten bedeutet das, sich Situationen Schritt für Schritt zu stellen: Ob beispielsweise Höhenangst, Autofahrangst oder Spinnenphobie – bei der Konfrontation mit ihren Ängsten können Menschen im geschützten Rahmen unter qualitativ fachlicher Begleitung erleben, wie ihre schlimmsten Befürchtungen der Realität nicht standhalten, "Ziel ist es, wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen."

Auch bei körperlichen Beschwerden spielen praktische Übungen eine wichtige Rolle. Menschen mit chronischen Rückenschmerzen testen zum Beispiel in kreativen Übungen unter Begleitung, welche Bewegungen wirklich problematisch sind – etwa einen schweren Wanderrucksack oder Einkäufe tragen, Trampolin springen oder ein Enkelkind im Auto an- oder abschnallen. "Ziel ist es, wieder Vertrauen in den eigenen Körper gewinnen."

Bei Depressionen geht es oft darum, wieder positive Aktivitäten in den Alltag zu bringen, die Menschen aus ihrer Erstarrung zu holen und Impulse zu setzen: Angefangen mit kleinen Spaziergängen bis hin zu kreativen Aktivitäten, immer individuell ausgerichtet - passend zu den Interessen und Werten der Patienten und Patientinnen. "Ziel ist, positive Erfahrungen bewusst wahrzunehmen, Energie zu sammeln und das Selbstvertrauen zu stärken."

Krankenkassen übernehmen die Kosten

Wer sich mit ähnlichen Ängsten, Zwängen oder depressiven Beschwerden wiedererkennt, kann sich an die psychologische Ambulanz wenden. Nach einem ausführlichen Erstgespräch wird gemeinsam entschieden, ob eine ambulante Behandlung sinnvoll ist oder ob andere Angebote besser passen. Wird eine Therapie empfohlen, übernehmen in der Regel die Krankenkassen die Kosten. Das deutsche System gilt dabei international als Besonderheit: Je nach Bedarf können zwischen zwölf und mehreren Dutzend Sitzungen bewilligt werden – ein Angebot, das es in dieser Form in vielen anderen Ländern nicht gibt.

Wartelisten und Forschungsprojekte

Allerdings gibt es – wie vielerorts – auch hier Wartelisten für Therapieplätze. "Wer Hilfe sucht, sollte sich schnell melden und auf die Warteliste setzen lassen – nicht warten, bis es nicht mehr geht", empfiehlt sie.

Eine Möglichkeit, schneller teilzunehmen, sind laufende Forschungsprojekte, für die regelmäßig Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht werden, aktuell zu Soma und Reizdarm.

Offen für neue Erfahrungen

Glombiewski erlebt die Menschen in der Region als offen und aufgeschlossen gegenüber psychologischen Therapieangeboten. Manchmal entstehen dabei auch besondere Begegnungen. Einmal meldete sich ein 90-jähriger Teilnehmer für eine Studie. Auf die Frage nach seiner Motivation habe er nur gelacht und gesagt: „Isch wollt bloß mol wisse, was ihr do in de Uni so macht.“

Nicht nur Bürgerinnen und Bürger, auch Studierende der Universität nutzen die Angebote – etwa bei Prüfungsangst oder starkem Stress im Studium.

So zeigt sich: Die Universität ist Teil des städtischen Alltags geworden. Forschung findet nicht nur in Laboren und Hörsälen statt, sondern mitten im Leben – und kann vielen Menschen ganz konkret helfen.

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Redaktion

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