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Thomas Nast - einer der berühmtesten Söhne Landaus

Politische Karikaturen und Erfinder des Santa Claus

Die Gästeführerin Gudrun Stübinger-Kohls liebt Geschichte. Sie macht Führungen in Landau, aber auch in Leinsweiler, Bad Bergzabern oder zu Max Slevogt, immer auf der Suche nach Geschichten, die Menschen berühren. Eines ihrer besonderen Themen ist der Künstler Thomas Nast, einer der bekanntesten Söhne Landaus. Mit seinen politischen Karikaturen prangerte er Korruption und Macht an und erfand die moderne Santa-Claus-Figur, der auch unserem Thomas-Nast-Nikolausmarkt seinen Namen gibt. Und zusätzlich einer Straße, einem Platz, einem Park, einer Schule.

Merry Old Santa Claus 1881

2016, während ihrer Gästeführerausbildung, fiel ihr erstmals Thomas Nast auf, einer der bekanntesten Söhne der Stadt. "Bis dahin kannte ich seinen Namen", erzählt sie, "aber nicht seine ganze Geschichte.“ Je mehr sie sich mit ihm beschäftigte, desto deutlicher wurde, wie außergewöhnlich dieser Mann war – und wie stark seine Spuren bis heute reichen und aktuelle Probleme ansprechen.

1840 erblickte er in der Roten Kaserne das Licht der Welt. Er wuchs auf in einer Welt voller Militärmusik, Festen und Traditionen. Sein Vater, Militärmusiker, spielte regelmäßig im Alten Kaufhaus, damals Tanz- und Konzertsaal der Stadt, und der kleine Thomas war oft dabei. Die Eindrücke dieser frühen Jahre – das Weihnachtsfest, der Pelzenickel, die festliche Atmosphäre – nahm er mit nach Amerika, als er mit sechs Jahren mit seiner Mutter auswanderte, und prägte daraus später die weltbekannte Figur des Santa Claus.

Einer der einflussreichsten politischen Karikaturisten des 19. Jahrhunderts

Bereits mit 14 Jahren begann Thomas Nast seine Karriere als Zeichner und Karikaturist. Fielen ihm Schulbesuch und sogar das Lesen schwer, zeigte sich schon sein außergewöhnliches Talent, das ihn schnell zu einem der einflussreichsten politischen Karikaturisten des 19. Jahrhunderts machte. In Amerika machte er Missstände sichtbar, lange bevor viele Menschen überhaupt lesen konnten. Seine Bildsprache war direkt, verständlich und mutig.

Karikatur zu "Boss Tweed"

Anfang der 1870er Jahre führten Nasts Karikaturen über Machtmissbrauch und Korruption des William Tweed – heute würde man ihn treffend einen Oligarchen nennen – maßgeblich zu seiner Absetzung und Verurteilung. Ein großer Schritt für Nast, seine Bekanntheit zu steigern.

Er setzte sich für eine einheitliche Schulbildung ein, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft, kritisierte schon damals Umweltverschmutzung und prangerte die Folgen von Krieg und Machtmissbrauch an. Korruption war immer wieder sein Thema – und er ließ sich dabei weder kaufen noch einschüchtern. Alle Politiker wussten: Wer es sich mit Nast verscherzt, musste mit schonungslosen Karikaturen rechnen.

Preisverleihung am 7.12.2025 an Pulitzer-Preisträgerin Ann Telnaes

Zur Pflege der Erinnerung an Thomas Nast gibt es in Landau seit den 70er Jahren den Thomas-Nast-Verein. In unregelmäßigen Abständen vergibt der Verein den Thomas-Nast-Preis an deutsche oder amerikanische Karikaturistinnen und Karikaturisten, die in der Tradition Thomas Nasts politische und soziale Ereignisse kommentieren. Dabei wird nicht eine einzelne Karikatur ausgezeichnet, sondern das Gesamtwerk der Künstler.

Thomas Nast mit spitzer Feder

Gudrun Stübinger-Kohls ist heute Vorsitzende des Vereins. Sie schätzt genau diese Unbeirrbarkeit, die das Wirken von Nast immer bestimmt hat. Daher war es ihr eine besondere Freude, im Dezember 2025 diesen Preis an die amerikanische Karikaturistin Ann Telnaes zu verleihen. Die amerikanische Pulitzer-Preisträgerin war lange Jahre "Editorial cartoonist" der namhaften US-amerikanischen Zeitung "Washington Post". In einer Karikatur stellte sie die amerikanischen Superreichen dar, wie sie dem "überlebensgroßen" Donald Trump huldigen - darunter natürlich auch amazon-Chef Jeff Bezos. Der allerdings genau diese Zeitung sein eigen nennt, und daher durfte diese Karikatur nicht erscheinen. Telnaes, unabhängig und bereit, Konsequenzen zu tragen, kündigte nach 16 Jahren ihre Position bei der Washington Post. Ironischerweise verbreitete sich gerade diese Zeichnung weltweit und machte sie noch bekannter - was sie letztendlich auch zur Preisträgerin in Landau machte.

But I will not stop holding truth to power through my cartooning, because as they say, “Democracy dies in darkness”.
- Ann Telnaes
Für Gudrun Stübinger-Kohls ist genau das die Botschaft, die der Verein weiterträgt: hinsehen, verstehen und mutig Stellung beziehen. „Was wir von Nast lernen können – über Mut, Menschlichkeit und Demokratie – ist heute genauso aktuell wie zu seinen Lebzeiten“, sagt sie.

Auch wenn Thomas Nast nur einen kleinen Teil seines Lebens in Landau verbracht hat, so ist er es doch auf jeden Fall wert, dass man auch hier bei uns sein Andenken bewahrt und seine Haltung ehrt - eine Haltung, die heute oft genug vermisst wird.

INFOBOX
Website des Thomas-Nast-Vereins u.a. mit einer ausführlichen Beschreibung des Werdegangs von Thomas Nast

Ein interessanter Artikel über Thomas Nast und seine Geschichte von 2021 findet sich auf in der Zeitung Die Welt

Bericht über den Rückzug von Ann Telnaes von der Washington Post

Beitrag im Blog von Ann Telnaes über ihren Rückzug von der Washington Post

Zur Gästeführerin Gudrun Stübinger-Kohls https://www.Pfaelzer-verFuehrungen.de

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © frei, Titel: Thomas-Nast-Verein

Tags: #ThomasNast  #WashingtonPost  #Karikatur  #PolitischeKarikatur  #Preis  #ThomasNastVerein  #LandauinderPfalz