Seit 2020 bringt Niklas Füllner Theater in den Unterricht, als Dozent für den universitären Ergänzungsstudiengang "Darstellendes Spiel/Theater" an der RPTU Kaiserslautern-Landau. Er bildet Lehrkräfte aus und zeigt ihnen, wie Unterricht mit den Methoden des darstellenden Spiels kreativ, spielerisch und lebendig gestaltet werden kann. Diesen Studiengang gibt es in Rheinland-Pfalz nur an der Universität Landau und Koblenz. In Norddeutschland hingegen ist "Darstellendes Spiel" längst verbreitet und schulischer Standard.

Niklas Füllner
Was bringt das Zusatzzertifikat?
„Man bekommt dadurch einen ganz anderen Zugang zu Schülerinnen und Schülern“, sagt Füllner. Unterricht wird anschaulicher, lebendiger – und oft nachhaltiger. „Sogar den Satz des Pythagoras kann man spielerisch erklären und Interesse wecken.“In den zwei Jahren lernen die Studierenden nicht nur, wie sie selbst auftreten und gestalten, sondern auch, wie sie ästhetische Bildung sinnvoll in ihren Unterricht integrieren können.
„Darstellendes Spiel ist extrem praxisnah – fast wie an einer Kunsthochschule“, erklärt Füllner. „Man kommt ins Handeln, ist im Kontakt, ist kreativ. Performance macht Unterricht anschaulich – und lebendig.“
Darstellendes Spiel - warum es zählt
Freie Probe szenisches Spiel
Die RPTU Landau setzt hier ein klares Zeichen: Als einzige Universität in Rheinland-Pfalz bietet sie einen universitären Ergänzungsstudiengang Darstellendes Spiel an – und ermöglicht damit angehenden Lehrkräften, ästhetische Bildung fest im schulischen Alltag zu verankern.
Freie Themen, große Fragen
Schon im ersten Semester wählen die Studierenden ihre Themen für ihre Stücke selbst. Die Bandbreite ist groß:Manche setzen sich mit schweren Fragen auseinander, etwa: Was macht Krieg mit Menschen? Andere reflektieren aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie die Postdigitalität: Was ist echt? Was ist fake? Und wie unterscheiden wir das überhaupt noch?
Für Füllner ist die Endprobenphase vor den Aufführungen die intensivste und schönste Zeit. Wenn das Konzept steht, wenn alle ihre Stärken einbringen und das Stück kollektiv entsteht, dann wird Theater für ihn lebendig.
„Dann kommen so viele tolle Ideen aus der Gruppe – nicht nur von mir als Dozent. Diese Phase begeistert mich jedes Mal aufs Neue.“
Die Aufführungen selbst kann er oft nur bedingt genießen. Zu groß sind Nervosität und Anspannung. Für ihn zählt weniger der Moment auf der Bühne als der gemeinsame Schaffensprozess davor.
Wunsch nach mehr Zeit für intensive Proben

Aufführung "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchers
„Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es mehr Zeit“, sagt er. Zeit für lange, intensive Proben, für echtes Eintauchen in die Arbeit.
Und er wünscht sich, dass Darstellendes Spiel auch in Rheinland-Pfalz nicht nur ein Zusatzangebot, sondern ein vollwertiger Studiengang wird – so wie in Norddeutschland. Idealerweise sogar ein Fach, das sogar schon an Grundschulen verankert ist. Denn für ihn ist Darstellendes Spiel weit mehr als ein Unterrichtsfach. Es ist ein Weg, Menschen zu erreichen, sie miteinander in Kontakt zu bringen und gemeinsam kreativ zu werden und mehr Spaß in den Unterricht zu bringen. Denn mit Spaß lernt es sich leichter.
Das Kaufkunst-Festival
Ein für die Öffentlichkeit sichtbarer Höhepunkt dieser Arbeit ist das jährliche Kaufkunst-Festival im Sommer. An wechselnden Orten – mal in der Innenstadt, mal in einem Park – werden die Stücke der Studierenden gezeigt. Sie werden bewertet, aber vor allem der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Theater verlässt hier bewusst den geschützten Raum und tritt in den Dialog mit der Stadt.Und privat?
Marionetten faszinieren Füllner auch heute noch. Viele Jahre hat er am Düsseldorfer Marionettentheater als Puppenspieler gearbeitet, auch an anderen Orten, am intensivsten für "half past selber schuld".Füllner hat vor, im nächsten Semester mit den Studierenden wieder eine Figurentheaterszene zu entwickeln. "Das habe ich auch schon gemacht, zum Beispiel bei der Eröffnung von "Landau liest ein Buch" 2023, als es um das Buch "Herzfaden" und das Marionettentheater ging."
Ausführliche Information der Uni zum Zertifikat Darstellendes Spiel/Theater
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
Fotos © Karin Hiller, Redaktion
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