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Tagesmutter Anja Moock - ein zweites Zuhause für Kinder

Kleine Gruppen ermöglichen große Nähe

Anja Moock ist Tagesmutter aus Überzeugung. Seit 16 Jahren begleitet sie Kinder in einer liebevoll eingerichteten kindgerechten Wohnung, "Landauer Wichtelkiste" genannt, voller Spielzeug und Lernmaterialien, Hier betreut sie zusammen mit einer Praktikantin fünf Kinder in familiärer Atmosphäre. Sie liebt, was sie tut, geht vollkommen darin auf – und sorgt sich zunehmend über die Entwicklung.

"Wir waren mal hier in Landau 25 Tagesmütter, jetzt sind wir nur noch zwei Hände voll," sagt sie. Denn seit die Politik beschlossen hat, Kitaplätze ab zwei Jahren beitragsfrei zu machen, gibt es ein Problem. Die Betreuung in großen Gruppen in Kitas wird öffentlich getragen, die kleine, private Betreuung bei Tagesmüttern nicht.

Eltern müssen also hier ab dem ersten Lebensjahr selbst zahlen. Viele würden ihre Kinder noch nach dem zweitem Lebensjahr gerne in der individuellen Betreuung und Förderung bei Tagesmüttern lassen, aber sie können sich die private Betreuung nicht leisten.

Anja Moock spürt die Folgen der Politik jeden Tag, denn es kommen immer weniger Kinder. Wenn das so weitergeht, fürchtet sie, muss sie die geliebte Arbeit mit den Kindern aufgeben.

An jeder Ecke der Wohnung gibt es was zu schauen, zu entdecken, zu spielen

"Mir geht es nicht ums Geld, denn sonst würde ich diesen Job nicht machen." Es geht ihr um das, was Kindern verloren geht: die kleine, persönliche Kinderwelt, die immer seltener wird – ein zweites Zuhause, in dem Nähe, Ruhe und Aufmerksamkeit möglich sind, in dem die Tagesmutter und die Praktikantin Zeit haben, spielerisch mit den Kindern zu lernen. „Beim Marktbesuch lernen sie Farben: Tomaten sind rot, Gurken grün, Paprika gelb. Beim Treppensteigen zählen wir die Stufen. Und nebenbei lernen sie gutes Deutsch, weil wir viel mit den Kindern sprechen.“

Maximal fünf Kinder hat sie in ihrer Gruppe, da kann man jedem Aufmerksamkeit und Wärme geben, auf die sich entfaltende Persönlichkeit der Kinder und ihre individuellen Bedürfnisse eingehen. Wichtig ist ihr, dass sich die Kinder gesehen und angenommen fühlen. Das sind oft liebevolle Kleinigkeiten. „Jedes Kind, auch die kleinsten, hängt morgens sein Bild an den Kühlschrank als Signal: Ich bin da. Ich bin wichtig. Und abends nehmen sie das Bild selbständig wieder ab und legen es weg, bis zum nächsten Tag.

Rituale sind wichtig

Ein herzliches Dankeschön für die Arbeit von Anja Moock

Anja Moock sagt: Spielen, Aufräumen, Rausgehen, gemeinsam Mittag essen, Zähneputzen, Schlafen, das sind feste Tagesabläufe und Regeln, die die Kinder verstehen und die ihnen Struktur geben.

Und: „In großen Gruppen geht viel Zeit verloren fürs Wickeln, oder An- und Ausziehen beim Rausgehen. In der kleinen Gruppe sind wir schnell fertig damit. Die Zeit können wir nutzen für Spielen und Beschäftigung mit den Kindern."

Unser Gespräch mit Anja Moock findet mitten in der Wohnung statt – so können wir uns selbst einen Eindruck verschaffen, wie friedlich es hier zugeht, wie offen die Kleinen auf uns, die Fremden, zugehen, manche offen und strahlend, andere erstmal zurückhaltend und beobachtend. Wir sehen sie gemeinsam zu MIttag essen, spielen, die Fische in den Aquarien bewundern, mit Anja Moock kuscheln und Aufmerksamkeit holen.

Auch die Wohnung ist klein und kuschelig, aber kindgerecht, auf jedem Quadratzentimeter gibt es etwas zum Entdecken, Anfassen Spielen. „Ein Vorteil, wir haben die Kinder jederzeit überall im Blick und können sofort eingreifen, wenn es mal Konflikte gibt.“

Und wie ist Anja Moock zum Beruf der Tagesmutter gekommen?

Das gemeinsame Essen ist ein wichtiger Meilenstein jedes Tages

Anja Moock hat keine eigenen Kinder. Aber wie kam sie auf die Idee, Tagesmutter zu werden? Sie lacht: „Ein Zufall. Es gab damals einen Wunschbaum im Haus der Familie in Bad Bergzabern. Ich hatte auch einen Wunsch erfüllt, nämlich ein Feuerwehrauto für einen kleinen Jungen, und war bei der Feier dabei, als die Geschenke verteilt wurden. Und plötzlich war ich umringt von vielen Kindern. Die Frau des Pfarrers, die damals die Geschenkaktion geleitet hat, meinte: „Du solltest unbedingt was mit Kindern machen, das ist deine Berufung.“

So entschloss sie sich, die 9-monatige Ausbildung zur Tagesmutter zu absolvieren, eine Wohnung zu mieten und sie Stück für Stück einzurichten. „Unsere Bezahlung ist allerdings sehr mager. Vom Mindestlohn können wir nur träumen, da sind wir weit entfernt, wenn ich all die Kosten wie Miete, Steuern, Versicherung usw. dagegenrechne. Und natürlich die Einrichtung, Spielsachen, Geschirr etc. "Denn dafür gibt es auch keine finanzielle Hilfe. Das kaufe ich alles privat."

Dita macht bei Anja ein Praktikum

Der Beruf als Tagesmutter ist anstrengend. „Von morgens ab 8 bis abends 19 Uhr sind wir da. Aber damit ist es ja nicht getan, abends wartet dann noch viel Organisationsarbeit – Formulare ausfüllen, Elterngespräche führen, Essensplan für die kommende Woche erstellen, einkaufen.“ Aber trotz allem, "Ich würde diesen Beruf sofort wieder ergreifen. Ich liebe Kinder und es macht mir Freude, zu sehen, wie sie sich entwickeln."

Ein besonderes Erlebnis: Zufällig hatte sie mitbekommen, dass ein Mädchen große Angst vor Spinnen hatte. "Spontan bin ich mit ihr ins Reptilium gegangen, da konnte man Spinnen in die Hand nehmen. Ich hab auch Angst, aber ich musste ja als Vorbild funktionieren. Wir haben beide die Spinne angefasst und waren superstolz."

Ihr Appell an die Politik

Ihr Appell an die Politik ist klar: Tagesmütter und Kitas müssen gleichgestellt werden, damit Kinder auch künftig individuell betreut und in kleinen Gruppen bei Tagesmüttern spielerisch gefördert werden können.

Eltern haben die Wahl

Anja Moock hofft, dass sich viele Eltern, die es sich leisten können, bewusst für diese individuelle Betreuung entscheiden und sich bei Tagesmüttern melden. „Viele Eltern wissen ja gar nicht, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Sonst würden sicher noch mehr Familien diese Form der Betreuung nutzen." Zumal ich als Tagesmutter auch flexibel auf besondere Arbeitszeiten eingehen kann.“

Wer mehr wissen will, einfach anrufen oder per Mail ein Gespräch vereinbaren. Kontaktdaten finden sich im Infokasten.

INFOBOX

Die Tagesmütter erreichen Sie individuell - Anja Moock zum Beispiel über ihre eigene Website https://www.landauerwichtelkiste-anja.de/, Tel. 01516 850 8558.

Andere Tagesmütter findet man in den Suchmaschinen und diversen Verzeichnissen

Die Rheinpfalz berichtet über die beginnenden Qualifizierungskurse:Tagesmütter und Tagesväter gesucht

Auch das Jugendamt hilft bei der Suche nach einer Tagesmutter

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Redaktion

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