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Puppenmuseum in Landau

Wo Kindheitserinnerungen lebendig werden

Im Puppenmuseum Landau scheint die Zeit stillzustehen. Hier kann man Porzellanpuppen mit ernsten Gesichtern und feinen Stoffkleidern, lächelnde Schmusepuppen, alte Autos und Bagger in liebevoll arrangierten Vitrinen bewundern. Während der Öffnungszeiten ist die Puppenmacherin Inge Oelker im Museum, zeigt gern ihre vielfältige Puppenwelt und spricht über ihre Schützlinge, als wären es Familienmitglieder. Vielleicht sind sie das auch ein bisschen.
„Ich würde keine hergeben“, sagt sie und lacht. Man glaubt es ihr sofort.

Ihre Lieblingspuppe aus schweren Zeiten

Ihre Lieblingspuppe bekam sie als Kind von ihrer Mutter geschenkt – in der schwierigen Zeit der Währungsreform. „Die hat sie sich vom Mund abgespart“, erzählt Inge Oelker. Der Vater durfte damals nicht einmal erfahren, wie teuer die Puppe gewesen war. Bis heute hat diese Erinnerung für sie etwas Kostbares. Vielleicht begann dort ihre lebenslange Liebe zu Puppen.

Denn für Inge Oelker waren Puppen nie bloß Spielzeug. Sie war und ist fasziniert von ihnen – von ihren Gesichtern, ihren Kleidern, ihren Geschichten und den kleinen Lebenswelten, die sich mit ihnen erzählen lassen.

Kleine Lebenswelten voller Erinnerungen

Und genau diese Faszination erleben heute auch viele Besucher ihres kleinen Puppenmuseums in der Marie-Curie-Straße am neuen Messplatz. Viele ihrer Schätze sind heute kaum mehr zu finden - hier aber werden sie bewahrt, geschätzt und zum Leben erweckt.

Denn dort stehen nicht einfach nur Puppen in Vitrinen, sondern sind eingebettet in kleinen Szenen. da steht eine Eisverkäuferin mit ihrem Wagen, ein alter Kaufladen präsentiert seine Waren, eine komplette Flohmarktszene verlockt zum Stöbern. Zwischen den Puppen entdeckt man auch alte Fahrräder, Autos, Motorräder oder Bagger. Viele Besucher bleiben plötzlich stehen, weil sie ein Spielzeug aus ihrer eigenen Kindheit wiedererkennen.

„Die Leute schwelgen in Erinnerungen“, sagt Inge Oelker. Genau das liebe sie so sehr: wenn Menschen anfangen zu erzählen, wenn Generationen miteinander ins Gespräch kommen und Kinder neugierig fragen, wie man früher gespielt hat.

Wie die Puppen ihr Leben veränderten

In den 1980er Jahren erlebten Porzellanpuppen einen regelrechten Boom. Vorher konnte man Formen antiker Puppen kaufen, die anschließend geschliffen, bemalt und gestaltet werden mussten. Alles Handarbeit. „Aber die antiken Puppen gefallen mir nicht so sehr“, erzählt sie. „Sie wirken leblos, mit ihren starren Gliedern, und man durfte sie nur nach genauen Vorgaben gestalten. Eigentlich waren sie nur für die Vitrine gemacht. Zum Anschauen, nicht zum Spielen und Liebhaben."

Doch dann wandelte sich der Puppenmarkt. Es gab Rohlinge, die nun individuell gestaltet wurden – lebendiger, fantasievoller, persönlicher. Für Inge Oelker begann damit ein neuer Lebensabschnitt.

Damals wohnte sie mit Ehemann und Tochter in Bochum. Dort richtete sie sich Im Keller eine komplette Werkstatt ein – mit Brennofen, Arbeitsplätzen und allem, was dazugehört. Ihr Mann goss die Puppenköpfe, sie selbst schliff, bemalte und gestaltete jede einzelne Figur mit viel Geduld und Liebe zum Detail. Inge Oelker lacht: "Ich war damals Ende 30. Und irgendwann hat sich in unserer Familie alles nur noch um Puppen gedreht."

100 qm Platz für ihre Puppenwelt

Eine Straße weiter gab es eine Änderungsschneiderei. Sie fragte nach, ob sie dort einige ihrer Puppen ausstellen dürfe. Sie durfte. Und bald ergab es sich, dass sie das ganze Geschäft übernehmen konnte. Und plötzlich hatte sie rund 100 Quadratmeter Platz für ihre Puppenwelt.

"Das war Luxus", sagt sie. "Genügend Platz, um auch Kreativkurse zu halten." Rund 150 Modellformen besaß sie inzwischen. Viermal die Woche kamen Menschen, um begeistert selbst Puppen herzustellen, zu bemalen oder Kleidung zu nähen. Ihre Tochter liebte Puppen ebenfalls und gab bereits mit 14 Jahren eigene Kurse.

Hundert Jahre Puppengeschichte

Heute zeigt ihr Museum etwa hundert Jahre Puppengeschichte – von feinen Porzellanfiguren aus der Zeit um 1900 bis hin zu modernen Puppen. Es geht um Stoff, Holz, Porzellan und um die Frage, wie Kinder früher gespielt haben. Oder eben nicht gespielt haben.

Besonders gerne erzählt Inge Oelker von Käthe Kruse. Deren Puppen galten damals als etwas völlig Neues. Während viele ältere Puppen vor allem geschniegelt in Vitrinen saßen, entwarf Käthe Kruse weiche Puppen für ihre eigene Tochter – Puppen, mit denen Kinder wirklich spielen, kuscheln und leben konnten. „Das war damals revolutionär“, sagt Inge Oelker.

Heute seien originale Käthe-Kruse-Puppen begehrte Sammlerstücke. Je nach Zustand könnten sie leicht mehrere tausend Euro wert sein. Auch im Puppenmuseum Landau kann man zwei solche Sammlerstücke bewundern.

Umzug nach Landau - die Idee zum Puppenmuseum entstand

2021 zog die Familie Oelker nach Landau. Damals besaß sie bereits mehrere hundert Puppen. "Ich hätte sie in Kisten packen und in den Keller stellen können", sagt Oelker. "Aber dann sieht sie ja keiner." Genau daraus entstand die Idee für ihr kleines Puppenmuseum in Landau.

Hundert Jahre Puppengeschichte

Hier findet man 100 Jahre Puppengeschichte – von feinen Porzellanfiguren aus der Zeit um 1900 bis hin zu modernen Puppen. Auch Barbies, die heute oft als Symbol eines übertriebenen Schönheits- und Schlankheitswahn gelten: "Ich liebe sie ja nicht," schmunzelt sie. „Aber die Kinder mögen sie.“

Nachdenklicher wird sie bei den täuschend echt wirkenden Newbornbabys. "Da gibt es Modelle, mit ganz weicher Haut, die fühlen sich wie echte Babys an. Manche kinderlosen Frauen behandeln sie auch so, richten Zimmer ein, fahren sie im Kinderwagen spazieren. Dazu gibt es ganz viele Foren im Internet."

„Das ist eine ganz andere Welt“, sagt sie. Verurteilen wolle sie das nicht. Aber es zeige, wie sehr sich der Blick auf Puppen im Laufe der Zeit verändert habe. Früher seien Puppen vor allem Spielgefährten gewesen. Heute würden sie manchmal fast zu Ersatz für etwas, das im Leben fehle. Echte Begegnungen fehlen, in allen Generationen.

Das Puppenmuseum als ein Raum für Begegnung

Genau solche Begegnungen sind es, die Inge Oelker besonders am Herzen liegen. Ihr kleines Puppenmuseum soll deshalb noch mehr werden als ein Ort voller Erinnerungsstücke. Sie wünscht sich einen echten Begegnungsraum. „Die Leute sollen sich wohlfühlen, miteinander reden und eine schöne Zeit haben“, sagt sie.

Dafür müsste das Museum allerdings etwas umgestaltet werden. Die Vitrinen an die Wände, ein großer Tisch in die Mitte – damit Menschen zusammensitzen, erzählen oder gemeinsam kreativ sein können. Ideen dafür hat sie genug. Stanzen, Stempel und Materialien aus ihrer Bochumer Zeit lagern noch immer bei ihr. Denn schon damals organisierte sie Treffen für kreative Frauen und das würde sie gerne wieder tun.

Ihr Traum?

„Es wäre so schön, einen größeren, zentraleren und möglichst kostenfreien Ort für die Puppenwelt zu finden“, sagt Inge Oelker. Denn bisher zahlt sie jeden Monat mehrere Hundert Euro aus eigener Tasche, um das Puppenmuseum betreiben zu können.

Manchmal stellt sie sich vor, dass irgendwo jemand ein großes Haus hat, vielleicht allein lebt, gerne von seinem Platz etwas abgeben würde und sich über ein wenig Leben, Gespräche und Begegnung freuen würde.

„Wer weiß“, sagt sie lächelnd. „Vielleicht erfüllt sich der Traum ja irgendwann noch.“

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Website des Puppenmuseums

Aktuelle Öffnungszeiten sind auf der Website zu finden.

Besichtigungen auch für Einzelpersonen sind nach telefonischer Anmeldung möglich:

Tel. 01728944733

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © privat