Nußdorf ist gesellig, feiert gern, hat ein reges Vereinsleben, ist traditionsbewusst und gleichzeitig offen für Neues. Wenn Nußdorf ein Mensch wäre, dann vermutlich einer, der gerne mit anderen zusammensitzt, diskutiert, sich einmischt und ziemlich genau weiß, was er will.
So schildert Thorsten Sögding "sein" Nußdorf. Er ist einer, der genau zu diesem Dorf passt. Dabei wollte der heutige Ortsvorsteher ursprünglich gar nicht in die Politik. Er war mit Leib und Seele Erster Vorsitzender des Turnvereins und spielte etwas Handball. Aber für ihn stand fest: Sport und Politik – das muss man auseinanderhalten.
Nur zehn Tage vor Ende der Nominierungsfrist im Jahr 2014 war noch immer kein Kandidat für das Amt des Ortsvorstehers gefunden. Sögding gab schließlich schweren Herzens den Vereinsvorsitz im Turnverein auf und ließ sich als Ortsvorsteherkandidat aufstellen. Denn für ihn stand fest: „Nußdorf soll seine Eigenständigkeit bewahren und möglichst viel selbst gestalten können.“
Nußdorf am Rande des Pfälzer Waldes - Bild Sebastian Heupel
Eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung spielte seine Frau Christine, die das Amt aus der eigenen Familie kennt: Ihr Vater Rudi Eichhorn war zuvor 15 Jahre lang Ortsvorsteher gewesen. Sie wusste also genau, was auf sie beide zukommen würde. Bis heute stärkt sie ihrem Mann den Rücken und packt selbst mit an. Reden entstehen gemeinsam, ebenso der Gemeindebrief „Nußdorf aktuell“. Und wann immer bei einem Fest helfende Hände gebraucht werden, steht Christine genauso selbstverständlich mit hinter der Theke.
Gut aufgestellt für alle Generationen
Bauernkrieger-Denkmal zur Erinnerung an den Beginn des pfälzischen Bauernkriegs in Nußdorf im Jahr 1525
Es gibt eine Vielfalt der Vereine, von Sport bis Kultur, Mit engagierten Mitgliedern, die zupacken und an die 50 Feste im Jahr auf die Beine stellen. Auch die Landjugend ist wieder erstarkt. Um ihre Vereinskasse aufzubessern, organisierten sie eine Schulkellerparty, machten Musik für alle Generationen und luden alle ein. Denn: „Ältere können sich auch mal einen Cocktail für 10 Euro leisten.“ Die Idee hat sich bewährt. Inzwischen findet die Party zweimal im Jahr statt – und 20-Jährige haben dort genau so viel Spaß wie 70-jährige.
Zwei Vereine sorgten dafür, dass der Dorfladen eröffnet werden konnte. "Das ist nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern ein lebendiger Treffpunkt, wichtig für Austausch und die Gemeinschaft."
Dass Gemeinschaft in Nußdorf nicht nur ein schönes Wort ist, zeigt sich auch bei den rund 20 Winzern des Ortes. Natürlich bedienen sie denselben Markt und stehen damit im Mitbewerb. Aber trotzdem ist gegenseitige Hilfe Ehrensache, wenn einer mal krank ist oder andere Probleme hat, leiht Werkzeug bei Bedarf, stimmt sich über WhatsApp ab.
Weitsichtig planen

Feiern gehört in Nußdorf immer dazu - hier auf dem Weinerlebnispfad
Ein Beispiel ist das geplante Neubaugebiet mit rund 10.000 Quadratmetern. Etwa 2.000 Quadratmeter davon sind für Wohnen im Alter vorgesehen.
Damit will Nußdorf gleich mehrere Herausforderungen angehen:
Gerade in Winzerfamilien leben im Alter häufig nur noch ein oder zwei Menschen in großen Anwesen mit Wohnhaus, Hof, Scheune und Nebengebäuden. Was über Jahrzehnte Lebensmittelpunkt war, kann dann zunehmend zur Belastung werden. Seniorengerechte Wohnungen im eigenen Ort könnten ihnen ermöglichen, weiterhin selbstbestimmt zu leben, ohne ihre vertraute Umgebung aufgeben zu müssen. „Sie wollen ja weiterhin in ihren Gesangverein gehen und am Dorfleben teilnehmen“, sagt Sögding.
Das würde auch die nächste Generation entlasten, sie wüsste ihre Eltern gut versorgt und müsste sich weniger darum sorgen, wie diese das große Anwesen im Alter bewältigen können.
Und zugleich könnten die frei werdenden Häuser und Höfe neuen Wohnraum für junge Familien bieten und Leerstand im Ortskern entgegenwirken.
So denkt Nußdorf beim Thema Wohnen mehrere Generationen zusammen.
Bildergalerie: Impressionen aus Nußdorf
Mitten im Rebenmeer
Dass die Menschen gerne in Nußdorf leben, hat für Sögding auch mit dem besonderen Lebensgefühl zu tun. Eingebettet in ein Rebenmeer zeigt sich die Landschaft zu jeder Jahreszeit anders – vom ersten Grün bis zur Farbenpracht im Herbst. „Nußdorf ist ein Wohlfühlort“, sagt der Ortsvorsteher.Dazu gehört für ihn auch die Vertrautheit im Dorf. Kinder können hier noch alleine zur Schule gehen oder zum Spielplatz und ohne Handy unterwegs sein: "Sie haben die Kirchturmuhr im Blick und wissen, wann es Zeit ist nach Hause zu gehen. Man kennt sich, sie wissen, wo sie klingeln können, wenn einmal etwas ist."
Auch Gäste schätzen das Dorf mitten im Rebenmeer. Es gibt Ferienwohnungen und einige Campingmöglichkeiten. Viele Winzer und zwei schicke Vinotheken laden zum Verkosten ein. Am bekannten Weinerlebnispfad werden seit 2007 an der Pergola im Sommer sonntags Nußdorfer Weine ausgeschenkt – für Gäste und für Einheimische.
Bauernkriegshaus
Heute beherbergt das Anwesen ein Bauernkriegsmuseum mit historischen Sammlungen und der Pfarrer-Lehmann-Stube, ehrenamtlich betrieben vom Historischen Arbeitskreis "Bauernkriegshaus Nußdorf e.V"
Und die zahlreichen Feste bieten Gelegenheit, zusammenzukommen. Gemeinschaft und Geselligkeit gehören in Nußdorf einfach dazu.
Einen Wermutstropfen gibt es für Sögding allerdings: Eine Gastronomie fehlt im Ort. Das bedauert er sehr, doch bislang fehlt vor allem das nötige Personal.
Tradition bewahren, Zukunft gestalten
Entspannt im Weinberg: Ortsvorsteher Thorsten Sögding
Dass die Nußdorfer gerne mitreden, hat Tradition. „Revoluzzerdorf“ nennt Sögding seinen Ort mit Blick auf dessen Rolle im Bauernkrieg. Ein bisschen von diesem selbstbewussten Geist ist bis heute zu spüren: Man diskutiert, hat klare Vorstellungen und gestaltet lieber mit, als andere entscheiden zu lassen.
Und wenn Sögding für Nußdorf einen Wunsch frei hätte – ohne an Geld oder Machbarkeit denken zu müssen? „Eine neue Turnhalle.“ Da muss er nicht überlegen. "Unser Turnverein bietet Sport und Bewegung vom Kindes- bis ins Seniorenalter. Aber gute Hallenzeiten sind knapp."
Damit führt sein größter Wunsch dorthin zurück, wo für ihn alles begann. Sport und Politik, dachte Sögding damals, passten nicht zusammen. Heute verbindet beides für ihn vielleicht doch mehr, als er damals glaubte: Menschen zusammenbringen, sich einbringen und gemeinsam etwas bewegen.
Ganz so, wie es zu einem Dorf mit eigenem Kopf passt.
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Die zentrale Website vor allem für die Nußdorfer selbst ist https://www.landau-nussdorf.de
Nußdorf ist auch auf Facebook vertreten
Das Bauernkriegshaus hat seine eigene Website und ist auch auf Instagram präsent
Nicht nur Einkaufsmöglichkeit, sondern auch Treffpunkt: der Dorfladen
Eine Liste der Nußdorfer Kulturdenkmäler findet sich bei Wikipedia
Hier die Links zu den anderen Artikeln über unsere Stadtdörfer:
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
Fotos © Redaktion, Sebastian Heupel
