Jeden dritten Freitagabend im Monat lädt Laura Hess mit "ladies walking and talking" zum gemeinsamen Spaziergang durch Landau ein. Aber eine Gleichstellungsbeauftragte hört auch Männern zu. Denn sie kämpft für eine Gesellschaft, in der alle ihren Platz finden.
Gleichstellung betrifft heute alle – Männer genauso wie Frauen
Mit der offiziellen Umbenennung von Frauenbeauftragten zu Gleichstellungsbeauftragten hat sich der Anspruch erweitert. Gleichstellungsbeauftragte wie Laura Hess beraten auch Männer – etwa wenn es um Teilzeitmodelle, Elternzeit, Pflegeverantwortung oder Diskriminierung geht.„Allerdings nutzen das nur wenige Männer. Sie wissen oft gar nicht, dass sie mitgemeint sind“, sagt sie. „Das gilt auch für junge Frauen. Viele bräuchten Unterstützung, melden sich aber nicht. Wie man diese Gruppen besser erreicht, ist eine Frage, mit der wir uns im Kolleginnenkreis regelmäßig beschäftigen.“
Gleichstellungsarbeit braucht Struktur - und Sichtbarkeit
Ein großer Teil ihrer Arbeit ist organisatorisch: Sie prüft Gesetzesgrundlagen, stellt Förderanträge, entwickelt Konzepte, gestaltet Flyer und Plakate, kümmert sich um Vernetzungen.Was sie bei ihrer Arbeit als besonders herausfordernd empfindet: den Kampf um Aufmerksamkeit.
„Wenn in einem Gremium 40 Tagesordnungspunkte aufgerufen werden, kommt unser Thema zum Schluss. Da ist es schwer, noch Gehör zu finden – obwohl Gleichstellung keinesfalls ein Randthema ist.“
Trotzdem bleibt sie dran. „Ich feiere Erfolge – auch kleine. Wenn es gelingt, dass ein Thema nicht übergangen wird, ist das ein Sieg.“
Die Realität: Gewalt, Abwertung, Unsichtbarkeit

Laura Hess, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Landau
„Die Kriminalstatistik zeigt: Die Mehrheit der Fälle betrifft Gewalt gegen Frauen, bis hin zu Tötungsdelikten. Über 80 % der Betroffenen sind weiblich. Trotzdem ist es oft ein Kampf, das Thema überhaupt auf die politische Agenda zu bringen.“ Präventation - je früher desto besser, z.B. in den Schulen - ist das A und O, um hier erfolgreich entgegenzuwirken: „Toxische Männlichkeit gehört dringend auf den Lehrplan“, sagt sie. „Wir brauchen frühzeitige Aufklärung über patriarchale Strukturen.“ Aber gerade bei der Präventation mangelt es an benötigten Mitteln.
Landau wächst – auch die Probleme wachsen mit
Ein Beispiel: Landau wird bald die 50.000-Einwohner-Grenze überschreiten. Dann greift das Prostituiertenschutzgesetz – und Bordelle müssen zugelassen werden. „Viele Frauen, die dort arbeiten, halten sich illegal in Deutschland auf. Keine von ihnen geht freiwillig aufs Amt und sagt, dass sie im Bordell arbeitet. Wie schützt man diese Frauen? Wie erreicht man sie? Auch das ist Teil von Gleichstellungsarbeit.“Nähe statt anonymer Strukturen
In der Verwaltung ist sie oft allein auf weiter Flur. In Großstädten wie Berlin oder Köln gibt es eigene Referate, größere Teams, mehr Mittel. „Die Themen sind überall die gleichen – Gewalt, Diskriminierung, fehlende Sichtbarkeit“, sagt Hess. "Aber in Landau funktioniert die Kontaktaufnahme persönlicher und direkter. Wer Rat sucht, bekommt schnell eine Antwort – per Mail, am Telefon oder kurzfristig im Gespräch. Und oft reicht ein kurzer Austausch und ich kann entscheiden, welcher unserer Netzwerkpartner helfen kann."Mutmachende Initiativen

Eine besondere Initiative ist auch „ladies walking and talking“ – der Spaziergang durch Landau, zu dem Hess monatlich einlädt. Einfach mitkommen, keine Anmeldung, keine Kosten. „Ziel ist es, Frauen locker miteinander in Kontakt zu bringen und Gemeinschaft zu erleben. Das schönste Feedback war: ‚Ich komme nicht mehr – wir haben uns zusammengefunden und unternehmen jetzt in kleinen Gruppen ganz viel.‘“
Gleichstellung braucht Ausdauer und Vernetzung
Laura Hess ist überzeugt: Gleichstellung ist nicht nur wichtig – sondern möglich. Wenn man dafür kämpft. Und wenn man nicht aufhört, darüber zu reden. Denn, so sagt sie: "Gleichstellung braucht Ausdauer, Vernetzung – und Menschen, die nicht locker lassen."Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
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