Loading...

.

.
 alle Geschichten Miteinander füreinander - Südpfalz

Miteinander füreinander - Südpfalz

Wie Daniel Grimm Menschen zum Helfen bewegt

Aus einer spontanen Idee während der Corona-Pandemie ist ein Netzwerk mit mehreren tausend Mitgliedern entstanden. „Miteinander füreinander – Südpfalz“ unterstützt tatkräftig Menschen in Not, organisiert Hilfstransporte, beschenkt Senioren und erfüllt Wünsche von Kindern. Ins Leben gerufen hat das Netzwerk Daniel Grimm. Bis heute investiert er einen Großteil seiner Freizeit, um Menschen zusammenzubringen: diejenigen, die helfen möchten, mit denen, die Unterstützung benötigen.

Plötzlich stand das Leben still

Begonnen hat das eigentlich alles im Frühjahr 2020. Das öffentliche Leben kam wegen Corona nahezu zum Erliegen. Geschäfte und Lokale blieben geschlossen, Kindergärten und Schulen ebenso. Kinder konnten ihre Freunde nicht mehr treffen, Spielplätze blieben leer.

Daniel Grimm beobachtete, wie sich ihr Alltag von einem Tag auf den anderen veränderte. "Da hab ich mich gefragt, ob und wie ich Kindern in dieser schwierigen Zeit ein wenig Freude und Abwechslung schenken könnte."

So kam er auf die Idee, die Facebook-Gruppe „Miteinander füreinander - Südpfalz“ ins Leben zu rufen. Schon innerhalb einer Woche schlossen sich rund 900 Menschen dieser Gruppe an. „Mit einer solchen Resonanz hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, erinnert er sich.

Über dieses Netzwerk rief Daniel Grimm zu Spielzeugspenden auf. Die Hilfsbereitschaft war groß. In seiner Freizeit fuhr er quer durch Rheinland-Pfalz, sammelte Spenden ein und organisierte die Verteilung der Spielsachen. Damit schenkte er vielen Kindern in dieser schwierigen Zeit Freude und Abwechslung und sorgte zugleich für eine spürbare Entlastung der Familien.

Dann kam die Flutkatastrophe im Ahrtal

Corona ist noch nicht vorbei, da bricht schon im Juli 2021 über das Ahrtal eine Hochwasserkatastrophe herein, deren verheerende Auswirkungen erst in den Stunden und Tagen danach sichtbar wurden. Eines aber war sehr bald klar: Schnelle Hilfe musste her.

Hilfskonvoi - Bereit zur Abfahrt

Schnell ja – aber, das war Daniel Grimm nicht zuletzt aufgrund seiner beruflichen Erfahrung klar – mit Plan. Dabei führte sein erster Weg, über einen Kontakt, hin zum Katastrophenschutz. Dort konnte man ihm sagen, welche Hilfsgüter am dringendsten wo benötigt wurden. Und dort erhielt er auch die notwendige Zufahrtserlaubnis für das Katastrophengebiet, um die Hilfsgüter direkt zu den betroffenen Menschen zu bringen. Dringend benötigte Sachspenden waren zum Beispiel nicht nur Kleidung, sondern ganz wesentlich auch Waschmaschinen, Kühlschränke oder Trocknungsgeräte.

Auf Daniel Grimms Hof herrschte Hochbetrieb. Zeitweise sortierten rund 50 Ehrenamtliche Kleidung nach Größen, packten Kartons und beluden Transporter. Unternehmen stellten Fahrzeuge zur Verfügung, Privatpersonen spendeten Hilfsgüter.

Ein Jahr lang, fast an jedem Wochenende, machten sich Daniel Grimm und weitere Helfer mit Hilfstransporten auf den Weg ins Ahrtal und bis nach Schleiden in NRW – immer mit dem Ziel, den Menschen vor Ort schnell und gezielt zu helfen. Dort trafen sie auf weitere Initiativen aus Landau und dem ganzen Land. "Da entstanden tolle Kontakte, die wir teilweise auch heute noch haben und uns manchmal gegenseitig helfen."

Die Eindrücke des ersten Einsatzes haben Daniel Grimm bis heute nicht losgelassen. Die Verwüstung, der Geruch, die Toten und das Leid der Menschen erschütterten ihn zutiefst. Vor Ort blieb keine Zeit für Gefühle. „Wir haben einfach funktioniert“, erinnert er sich. Erst auf der Heimfahrt hielt er auf dem erstbesten Parkplatz an. „Da hab ich geheult wie ein Schlosshund.“

Hilfe, die bleibt - Vertrauen durch Transparenz

Einer von vielen Spendenschecks

Aus der spontanen Idee während der Corona-Pandemie ist längst ein Netzwerk mit mehreren tausend Mitgliedern geworden. Familien in finanziellen Notlagen, Frauenhäuser, Obdachlose, Kinder und Senioren, sie können sich an das Netzwerk wenden – Daniel Grimm unterscheidet nicht, wer Hilfe braucht. „Wenn Unterstützung notwendig ist, versuchen wir zu helfen“, sagt er.

Die notwendigen Mittel kommen über Spenden: "Wir freuen uns sehr, dass wir schon so viele Spendenschecks überreichen durften. Wenn es diese Unterstützung nicht gäbe, könnten wir auch mit viel ehrenamtlicher Arbeit nichts ausrichten."

Längst besteht sein Engagement nicht mehr nur aus Fahrten und Hilfstransporten. Ein großer Teil der Arbeit spielt sich heute am Computer und Telefon ab. Daniel Grimm prüft Hilfsgesuche, knüpft Kontakte, organisiert Hilfe und moderiert die Facebook-Gruppe. „Ich schalte die Beiträge selbst frei. Das kostet viel Zeit, aber mir ist wichtig, dass der respektvolle Umgangston bei uns erhalten bleibt“, sagt er.

Daniel Grimm & Carina Engelhart

Dabei erhält er tatkräftige Unterstützung von Carina Engelhart, die ihn bei der Organisation und der Betreuung der Facebook-Gruppe entlastet. Gemeinsam bringen sie Menschen zusammen, die Hilfe suchen, mit denen, die helfen möchten.

Vertrauen ist Daniel Grimm besonders wichtig. Deshalb arbeitet er seit Jahren eng mit Rolf Epple und seiner "Rolf-Epple-Stiftung" zusammen. Alle Geldspenden laufen vollständig über die Stiftung. „Rolf ist mir eine ganz große Unterstützung. Mir ist wichtig, dass alles transparent und nachvollziehbar bleibt“, betont er.

Wenn Wünsche wahr werden

Das Netzwerk lebt vom Engagement vieler Menschen. Erst dieses Miteinander macht möglich, was Daniel Grimm und sein Team auf die Beine stellen.

Der Wunschbaum - hier kann man die Wünsche "pflücken"

Ein besonderes Beispiel dafür ist die Wunschbaumaktion, die "Miteinander - füreinander" seit Corona jedes Jahr für vier Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen organisiert. Was ursprünglich im Stoffwerk begann, wird jetzt im Downtown in der Trappengasse weitergeführt.

Ab Ende Oktober schmücken Wunschkarten im Downton den Weihnachtsbaum. Wer helfen möchte, nimmt eine Karte mit, erfüllt den Wunsch eines Kindes, verpackt das Geschenk und gibt es wieder im Geschäft ab. Die meisten Wünsche liegen bei rund 25 Euro – damit möglichst viele Menschen mitmachen können.

Zur Weihnachtszeit denkt das Netzwerk aber auch an ältere Menschen. Mit kleinen Geschenken und liebevollen Aufmerksamkeiten sollen Seniorinnen und Senioren spüren, dass sie nicht vergessen sind.

Für Daniel Grimm sind diese Aktionen mehr als Weihnachtsbräuche. Sie zeigen, was möglich wird, wenn ein Netzwerk zusammenhält.

"Jeder Beitrag zählt", betont er. "Ganz egal, was man einbringen kann – ob Zeit, eine Spende oder ein Geschenk, alles ist gut und wichtig." Denn auch etwas Großes besteht aus vielen kleinen Gesten und Taten.

Verleihung Publikumspreis der SWR Ehrensache

Daniel Grimm hat den Publikumspreis der SWR Ehrensache bekommen.

Darauf angesprochen, lächelt er. "Von mir aus hätte ich das nicht gesagt. Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt, aber darauf bin ich stolz."

Mehr zum Thema

Die Facebook-Gruppe findet man unter https://www.facebook.com/groups/2555290148072601

Der Instagram-Account ist unter https://www.instagram.com/_miteinander_suedpfalz_ zu finden

Website der Rolf-Epple-Stiftung

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Rolf Epple-Stiftung, privat