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Menschengerechtes Wohnen - Ideen und Vorschläge für Landau

Mit dem Stadtbild e.V. auf Entdeckungsreise in Sachen Architektur und Städtebau

"Wohnst du noch oder lebst du schon?" Nein, wir machen hier keine Werbung, aber dieser bekannte Slogan von IKEA trifft das Thema des Vereins "Stadtbild Deutschland e.V." durchaus gut. Denn Wohnen, das sollte mehr sein als nur ein Dach über dem Kopf in einem großen Kasten. Wir alle haben das Bedürfnis nach einer Wohlfühlumgebung, neben einem angenehmen sozialen Umfeld ebenso nach Harmonie, Farben und Formen. Dann ist Wohnen auch Leben.

Vor welchem Gebäude haben Sie zuletzt gestanden, das Sie wirklich angeschaut haben? Die Form, die Farbe, die Strukturen, die Fenster und Türen, die Balkone, den Dachaufbau auf sich wirken lassen?

Moderne Architektur oft einfallslos und nicht menschengerecht

Falls Sie sich erinnern – es war mit großer Wahrscheinlichkeit ein altes Gebäude. Moderne Architektur in einer typischen deutschen Stadt ist meist, gelinde ausgedrückt, langweilig, ähnelt oft einem Klotz mit Schießschartenfenstern und einem nichtssagenden Flachdach, hat nichts Vertrautes, Warmes, Heimeliges. Und wenn sich dann ein solches moderne Gebäude noch wie ein Fremdkörper in einem gewachsenen Architekturensemble breitmacht, dann ist man erstaunt, wie "gefühllos" ausgebildete Stadtplaner und Architekten agieren können.

Passt hier wirklich etwas zusammen?

Mario Albers, Vorsitzender des Regionalverbands Südpfalz von "Stadtbild Deutschland e.V." und sein Mitstreiter, der Architekt Joachim Weißmann, haben uns zu einem ausführlichen Spaziergang durch die Landauer Innenstadt mitgenommen. Sie machten uns auf vieles aufmerksam, dass man als architektonisch nicht gebildeter Mensch zwar „spürt“, aber sich selten bewusstmacht.

„Schauen Sie mal nach oben“, empfahl Weißmann. „Wir haben bei den alten Häusern eine wunderbare Dachlandschaft. Und im Neubau direkt daneben? Ein langweiliges Flachdach. Schon allein das passt in keiner Weise zusammen.“

Und ja, wird man für solche Feinheiten sensibilisiert, sieht man seine Stadt mit anderen Augen, schaut zum Beispiel auch bewusst mal nach oben, anstatt mit den Augen nur auf Erdgeschosshöhe zu bleiben.

Bildergalerie: Architekturspaziergang mit dem Stadtbild e.V.
Ein Rundgang durch unsere Innenstadt – vom Rathausplatz bis zu den Uferschen Höfen. Gute Beispiele und schlechte, gelungene Sanierungen, noch fehlende Sanierungen, passende und unpassende Neubauten.

Machen Sie sich selber ein Bild!


Regionaler Bezug ist entscheidend

Eine gelungene Sanierung in der Gymnasiumstraße

„Wohnungsbau darf den regionalen Bezug nicht verlieren“, erklärt Mario Albers. „Regionale Materialien, typische Fassadengestaltungen und Dachformen machen die lokale Identität einer Stadt aus.“ Wir alle haben doch schon die Erfahrung gemacht: man ist in einer Stadt, sieht überall dieselben Geschäfte und kann auch an der Architektur kaum noch erkennen, wo man eigentlich ist. „Die lokale Identität“, betont Albers, "ist das, was eine Stadt besonders und damit – auch für Touristen – sehenswert macht. Und ihr einen Wohlfühlcharakter schenkt.“

Wichtig ist: Sanierungen alter Gebäude sollten unbedingt die Charakteristika des Ursprungs bewahren. Damit werden die Eigenarten der „Kieze“, also zusammenhängender Straßen und Plätze, bewahrt. Und Neubauten müssen sich an den regionalen Bauformen und Materialien orientieren. Das heißt keineswegs, altes nur zu kopieren. Die Herausforderung ist, einen traditionellen Kern in moderne Gestaltungsformen zu transferieren, die mit der Umgebung harmonieren, aber nicht, einfallslose Fremdkörper mittenrein zu setzen. „Hier sind sehr die genehmigenden Bauämter gefragt. Sie tragen letztlich die Verantwortung für das Stadtbild.“

Der Stadtbild e.V. zum neuen Stadtteil Südwest

Konkret war und ist der Regionalverband von Stadtbild e.V. an zwei Landauer Themen aktiv. Schon 2023 organisierte der Verein eine Veranstaltung im Gloria zum neu geplanten Stadtteil Landau-Südwest. Der renommierte Berliner Architekt Robert Patzschke war eingeladen und stellte Skizzen für die Gestaltung dieses Stadtteils vor, die sich meilenweit von der heute üblichen Bebauung eines neuen Viertels unterscheiden. „Mischnutzung, Kleinteiligkeit, Orientierung an Parzelle und Blockrand sowie durch kommunizierende Erdgeschosszonen, die sich dem Stadtraum öffnen und damit Gewerbe und Fußläufigkeit ermöglichen“, so beschrieb Patzschke die Grundwerte seines Entwurfs.

Skizze von Architekt Patzschke als Beispielentwurf für Landau-Südwest

Immer wieder hört man hier Bedenken, eine solche Bauweise sei sehr teuer. Albers beruhigt: „Zwischen 2% und 5% der Bausumme muss man zusätzlich kalkulieren. Dafür entsteht aber ein deutlich höherwertiges und nachhaltigeres Gebäude, das auch in 50 oder 80 Jahren noch gefällt. Und sogar allein mit einer durchdachten Farbgestaltung kann man schöne Effekte erzielen."

Erklärtes Ziel dieser Veranstaltung war es auch, im Südwest-Viertel einen „Ebenberg 2.0“ zu verhindern. Die Attraktivität des ehemaligen Landesgartenschaugeländes wird heute weitgehend von den erhaltenen Altbauten bestimmt, weniger von den Neubauten.

„Vertreter der Stadt“, so bedauert Mario Albers, „waren zur Veranstaltung natürlich eingeladen. Erschienen ist allerding niemand.“

Vielleicht eine verpasste Chance.

Rekonstruktion des Luitpoldbrunnens

So könnte es mit Luitpold-Brunnen auf dem Rathausplatz aussehen

Ein zweites großes Anliegen des Vereins ist die Rekonstruktion des Luitpoldbrunnens auf dem Rathausplatz. „Der zentrale Platz Landaus wird damit sehr aufgewertet, wenn der von den Nazis zerstörte Brunnen mit dem Luitpold-Denkmal wieder aufgebaut wird“, betont Albers. „Die Innenstadt wird für Touristen wie Einheimische attraktiver, zieht mehr Menschen in die Innenstadt, und ein Brunnen, den man heute bei Dunkelheit mit LED-Technik wunderbar ‚bespielen‘ kann, ist ein Treffpunkt und für das Innenstadtklima eine wunderbare Erleichterung.“

Eingebettet ist der Wunsch nach dem Brunnen in Überlegungen zu einer durchgreifenden Neugestaltung des Rathausplatzes. „Da ist zum einen das zwar ansehnliche, aber zum Laufen sehr ungeeignete Pflaster“, sagt Joachim Weißmann. „Und mit den kleinen Bäumen ist der Platz im Sommer oft ein Backofen und kein Ort der Entspannung und Begegnung.“

Albers und Weißmann sind überzeugt: es gäbe viel zu tun, um in Landau die Wohn- und damit die Lebensqualität zu erhöhen. „Wir wollen das Bewusstsein der Menschen für diese Themen erhöhen“, sagen sie, „und dafür engagieren wir uns.“

Und natürlich – auf jeden zusätzlichen „Mitstreiter“ im Stadtbild e.V. freuen sie sich. „Desto mehr können wir vielleicht bewirken.“

Bewirken wollen sie etwas für ihre Stadt und damit für uns alle. Damit wir „leben“ – und nicht nur „wohnen“.

INFOBOX

Website des Vereins Stadtbild e.V.

Bericht über die Veranstaltung zum neuen Quartier Landau Südwest

Der RV Südpfalz bei Facebook und Instagram

Website des Architekturbüros Patzschke & Partner Architekten in Berlin

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Redaktion, Stadtbild e.V. RV Südpfalz

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