Kaffeeduft, Stimmengewirr, voll besetzte Tische. Viele kleine Schälchen und Teller mit türkischem Frühstück, Çay-Tee in den typischen Gläsern, Kaffee und Kuchen – und hier und da leuchtet das kräftige Grün eines Matcha Latte. Serda Kaya ist mittendrin. Er begrüßt Gäste, wechselt ein paar Worte, schaut hier nach dem Rechten und dort, ob noch etwas fehlt.
Drinnen lädt das modern und gemütlich eingerichtete Café zum Bleiben ein. Draußen öffnet sich von der Terrasse der Blick über den großen Platz auf die Stiftskirche. Gleich daneben steht die Seibel-Ruine. Schön und weniger schön liegen hier ziemlich dicht beieinander.
„Wir begrüßen unsere Gäste mit einem Lächeln. Bei uns können sie einfach mal abschalten, das Handy weglegen und miteinander reden. Genau das wünschen wir uns."

Der wertschätzende Umgang miteinander ist der Familie wichtig. „Gastronomie funktioniert nur, wenn man das mit Herzblut macht.“
Auch eine andere Entscheidung ist Familiensache. Alkohol gibt es nicht. Obwohl eine Genehmigung vorhanden ist, verzichten die Brüder auf den Ausschank „Unsere Mutter steht in der Küche und möchte dort keinen Alkohol haben. Wir lieben sie und respektieren das.“
Dass manche wieder gehen, wenn sie kein Bier oder keinen Radler bekommen, nehmen sie in Kauf. Das Konzept wollen sie deshalb nicht verändern. „Es ist wichtig, zu beobachten und Neues auszuprobieren. Aber man muss seinem Konzept treu bleiben.“
Tradition trifft Trend

Das "Große Frühstück"
„Wir lieben türkisches Frühstück. Es ist abwechslungsreich, lecker und kommunikativ“. Früher musste die Familie dafür nach Mannheim oder Karlsruhe fahren. Als die Familie das Café eröffnete, war klar: „Das fehlt in Landau. Das kommt unbedingt auf die Speisekarte.“ Heute wird das türkische Frühstück bis in den Nachmittag serviert.
Matcha hingegen lernte er durch die social Media Plattform TikTok kennen. Das leuchtend grüne Getränk aus fein gemahlenem japanischem Grüntee liegt im Trend. Er probierte es aus – und nahm es ins Angebot auf.
Beim Matcha setzt Serda auf eine Besonderheit: Bis auf Lavendel und Vanille bereitet er alle Pürees selbst zu, statt auf eine fertige Mischung zurückzugreifen. Das ist aufwendiger und kostet Zeit. „Aber Qualität ist uns wichtig.“
Mehr als Matcha
Das Trendgetränk verbinden die beiden Brüder mit kleinen Events, gemeinsam mit regionalen Partnern.Bei "matcha & charm" bekommen die Gäste Armbänder und Anhänger und können sich daraus ihre eigene Schmuckkreation zusammenstellen. Bei "matcha & paint" gestalten die Gäste ihr eigenes DIN A 4 Kunstwerk auf einer Leinwand. Und bei "matcha & keramik" kann man Rohlinge aussuchen, die bemalt und später gebrannt werden.
Das Interesse an solchen Events ist groß. „Das zeigt doch, dass junge Leute solche Angebote wollen“. Landau ist eine Studentenstadt. „Aber wenn wir junge Leute hier halten wollen, müssen wir ihnen auch etwas bieten.“
Ideen brauchen Raum
An Ideen für eine lebendige Innenstadt mangele es nicht, sagen die beiden. Viele junge Gastronomen seien inzwischen in der Innenstadt aktiv und wollten Neues ausprobieren. „Aber wir scheitern an hohen bürokratischen Hürden, immer teureren Auflagen und immer mehr Beschwerden.“
Serda (links) und Erdal Kaya

Blick von der Stiftskirche auf das Liva
Miteinander statt gegeneinander – dass es viele Cafés in der Innenstadt gibt, sehen die beiden Brüder nicht in erster Linie als Konkurrenz. Im Gegenteil: Warum nicht voneinander profitieren? Seinen Kuchen bezieht das Liva beispielsweise aus dem benachbarten Café Oswald.
Was im Kleinen zwischen Gastronomen funktioniert, wünscht sich die Familie auch im größeren Maßstab. Ihr Vorschlag klingt eigentlich ganz einfach: Alle an einen Tisch. Kinder und Jugendliche, Studierende, Berufstätige, Familien, Anwohner, Senioren, Gastronomen, Stadtverwaltung und Politik. "Jeder hat andere Wünsche und Bedürfnisse. Warum also nicht zusammenkommen, einander zuhören und gemeinsam nach Lösungen suchen?
Immer in Bewegung
Die schmackhaften türkischen Simits gibt es hier natürlich auch
Wann kann er entspannen? "Sonntags auf dem Fußballplatz In Albersweiler. 90 Minuten auspowern und den Kopf freibekommen. Dann gehe ich montags wieder mit einem Lächeln ins Café“.
Und mittwochs? Eigentlich ist Ruhetag. Trotzdem sind die Brüder regelmäßig im Café, erledigen Papierkram und all das, was im laufenden Betrieb liegen bleibt. Für Serda ist allerdings mittwochs ein Termin gesetzt: der Friseur. Jede Woche. „Das muss sein“, sagt Serda und lacht. Der Bart sei schließlich aufwendig genug. Und ganz nebenbei könne er dort auch einmal abschalten.
Warum eigentlich "Liva"?
Der Name erzählt eine kleine Geschichte. Als die Familie von Norddeutschland in die Pfalz zog, tat sie sich anfangs mit dem Dialekt schwer. Einen Ausdruck hörten sie besonders oft. Für ihre Ohren klang er wie „Ma Liva“ – gemeint war „mein Lieber“. Als später im Familienchat nach einem Namen für das Café gesucht wurde, tauchte genau dieser Ausdruck wieder auf. Aus „Ma Liva“ wurde schließlich „Liva Café“.Dass der Name noch eine weitere Bedeutung hat, entdeckte die Familie erst später: Liva hat skandinavische Wurzeln und wird mit „Schutz“ oder „Zuflucht“ in Verbindung gebracht. Für Serda und seine Familie passt auch das zum Café. Ein geschützter Ort, an dem sich Familie und Gäste wohlfühlen, das Handy einmal zur Seite legen und Zeit miteinander verbringen können.
Die Webpräsenz des Café findet man bei Instagram
Seite zum Café vom Tourismusbüro
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
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