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Landau 2013 - Die dramatischen Wochen um die Verlegung der Landesgartenschau

Hans-Dieter Schlimmer erinnert sich

Eine LandauErzählt-Geschichte von Hans-Dieter Schlimmer, Landauer Oberbürgermeister 2008 bis 2015
Unsere Nachbarstadt Neustadt im Frühjahr 2026 in den Schlagzeilen: Sie muss ihre Landesgartenschau 365 Tage schieben! Da werden Erinnerungen an das Jahr 2013 in Landau wach. Ja, es waren dramatische Wochen damals. Und alles hatte so gut begonnen. Erwerb des riesigen Kasernenareals südlich der Cornichonstraße vom Bund, Zuschlag des Landes für die nächste Landesgartenschau, planmäßiger Beginn der Umbauarbeiten eines fast 30ha großen Areals. Und damit Abschluss der Konversion in Landau, des Umbaus ehemals militärischer Flächen zur zivilen Nutzung.

Dann hoben dort die Bagger eine Bombe nach der anderen! Unselige Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges. Die Konsequenzen des 13-jährigen Naziwahns also noch Jahrzehnte später.

Video über die Konversion des LGS-Geländes von France 3 Alsace, ca. 2015


Ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre. Der Stadtrat tagte zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause. Kurz zuvor waren wieder zwei Bomben gefunden worden. Guter Rat war teuer. Immerhin keine Vorwürfe und Anschuldigungen. Nicht selbstverständlich im politischen Geschäft. Aber mein geplanter Urlaub einen Tag später auf einer holländischen Nordseeinsel war hin. Nichts da! In einer solchen Situation hat der OB vor Ort zu sein. Es ging ja mit gut 36 Millionen Investitionen um das größte Einzelprojekt in der Geschichte unserer Stadt.

Am nächsten Tag Krisensitzungen des Stadtvorstandes gemeinsam mit den Verantwortlichen der LGS-GmbH, Fahrt nach Mainz mit flauem Gefühl in der Magengegend.

Was tun?

Geschafft! Zwei der gefundenen und entschärften Bomben

Ein Sondierungskonzept musste her und die Antwort auf die Fragen, wie wir als Stadt die Sicherheit der dort tätigen Bauarbeiter, der zukünftigen Besucher der LGS und der späteren Bewohner des Gebietes sicherstellen wollten. Und alles im Turbotempo. Ich sage es ganz offen, da geht einem als Letztverantwortlichem für solch ein Riesenprojekt „der Arsch auf Grundeis“. Aber alles Klagen nutzt in einer solchen Situation nichts. Klare Ansage: „Wir müssen da durch. Und wir schaffen das, Leute!“

Auftrag nach Washington (wirklich!) an eine Firma, die die Ladelisten der Weltkriegsbomber untersucht. Was wurde da abgeworfen über Landau? Auswertung historischer Luftbildaufnahmen, Beauftragung einer entsprechenden Fachfirma mit Zeitplan für das Räumungskonzept, Bildung von Arbeitsgruppen in der Verwaltung mit dem Auftrag ein Sicherheitskonzept für eine Fachstelle in Hannover aufzustellen, ohne deren „go“ die LGS nicht hätte stattfinden können. Und, und, und!

Krisensitzungen täglich, kurze Berichte, neue Aufträge. Die Mails der Beteiligten gingen noch um Mitternacht hin und her.

Mir war klar, wenn in den Ladelisten der Bomber auch nur eine einzige Bombe mit einem chemischen Zünder gefunden worden wäre, tja, dann LGS in Landau „adé“ (diese „Dinger“ sind noch heute hochgefährlich. Sie besitzen einen chemischen Zünder, der für eine Explosion erst Stunden später sorgte. Blindgänger sind für die Entschärfungskommandos ein Himmelfahrtskommando. Kurze Zeit zuvor war ein solches Team beim Beginn des Entschärfens komplett zu Tode gekommen).

Gnadenlose Wochen

So sah das Gelände an der Panzerhalle vor der LGS aus

Sechs gnadenlose Wochen. Sechs Wochen das Wissen, dass alles an einem wirklich seidenen Faden hängt. Das wussten nur sehr wenige damals. Hat es nicht leichter gemacht. Was mich heute noch beim Erinnern freut, sind die Reaktionen der Landauer damals: „Mit Ihne wolld' ich nidd dausche, Herr OB“, war der meistgehörte Satz des Sommers 2013. Aber auch „Sie schaffen des“, oder „des kriechen 'mer hie, wär doch gelacht“. Schulterklopfen bei den Weinfesteröffnungen, zu denen mir wirklich nicht zumute war. Dennoch gute Laune verbreiten, OB-Job eben.

Es ging gut. Ich bin heute noch all jenen in meiner damaligen Verwaltung, der LGS-GmbH, den Kollegen des Stadtvorstandes und des Rates dankbar.

„Hinter den Kulissen“ ist unglaublich hart und kompetent geackert worden für den Erfolg. Heiße Wochen, nicht nur wegen des Sommers damals.

Am Ende der Sommerferien war dann klar, wir können die LGS durchführen, aber wir brauchen für die notwendigen Arbeiten ein Jahr länger Zeit. Ausruhen war auch dann nicht. Es waren noch weitere Herausforderungen auf dem Weg zur LGS 2015 in Landau zu bewältigen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bildergalerie: Das LGS-Gelände vor der Gartenschau
Nach dem Abzug der französischen Soldaten 1999 war das Gelände am Ebenberg verlassen und nicht zugänglich, bis es durch die Vorarbeiten zur geplanten Landesgartenschau aus seinem Schlaf erwachte.

Es gibt offenbar kaum Bilder aus dieser Zeit im Netz, ich habe nur eine einzige Website gefunden: Die Seite https://www.blitzlichtkabinett.de/ von Stefan Haas, einem engagierten Hobbyfotografen, der seinerzeit als Refrendar an der Maria Ward-Schule tätig war.

Er hat bei zwei "Besuchen" in den Jahren 2008 und 2009 Impressionen des brachliegenden Geländes eingefangen. Mit seiner freundlichen Genehmigung können wir hier eine Auswahl seiner Bilder präsentieren.

INFOBOX

Alle wesentlichen Konversionsprojekte in Landau auf der Website der Stadt

Ein Überblick über die Konversion im Bundesbaublatt Von der Militärfläche zum bunten Quartier

Ausführlicher Abschlussbericht über die Konversion Landau-Süd

Website von Stefan Haas, der uns die Bilder mit den Eindrücken von 2008 und 2009 zur Verfügung gestellt hat.

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Hans-Dieter Schlimmer, Landauer Oberbürgermeister 2008 bis 2015

Fotos © Rolf H. Epple, Stadt Landau, Stefan Haas

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