Wer auf der Internetseite des Tourismusbüros Landau nach Führungen sucht, hat die Qual der Wahl. Historische Stadtführungen, Festungsführungen, Kostümführungen, Weinwanderungen oder thematische Spaziergänge durch Landau und die Südpfalz – hinter jedem Angebot stehen Menschen, die ihre Region mit Leidenschaft präsentieren.
Viele dieser Führungen werden von ausgebildeten Gästeführern oder Kultur- und Weinbotschaftern gestaltet. Was auf den ersten Blick ähnlich klingt, unterscheidet sich jedoch deutlich. Während die Ausbildung zum Gästeführer etwa drei Monate dauert, absolvieren Kultur- und Weinbotschafter eine rund 15-monatige Ausbildung mit schriftlicher, mündlicher und praktischer Prüfung. Ihr Wirkungsbereich reicht weit über Landau hinaus und umfasst die gesamte Südpfalz.
Ursel und Manfred Ullemeyer gehören zu diesen Botschaftern ihrer Heimat. Seit vielen Jahren begleiten sie Gäste durch Landau und die Region, erzählen Geschichten, vermitteln Wissen und sorgen dafür, dass aus einer Führung oft mehr wird als ein informativer Spaziergang.
Vom Rheinland in die Pfalz
Für Ursel begann alles Anfang der 2000er-Jahre. Die gebürtige Rheinländerin lebte bereits viele Jahre in der Pfalz und wollte mehr über ihre neue Heimat erfahren. In einem Mitteilungsblatt entdeckte sie eine Anzeige: Gesucht wurden interessierte Menschen für eine Ausbildung zur Gästeführerin.„Ich wollte mehr über die Gegend und den Wein wissen“, erinnert sie sich. Drei Monate lang besuchte sie einmal pro Woche die Ausbildung und legte anschließend ihre Prüfung ab. Schon bald führte sie Besucher durch Landau und die Südliche Weinstraße.
Ihr Mann Manfred kam eher zufällig dazu. „Ich bin einfach mitgedabbelt“, sagt er schmunzelnd. Später konnte der Ingenieur das Wissen seiner Frau sogar beruflich nutzen. Während seiner Tätigkeit bei Siemens betreute er regelmäßig Gäste und Delegationen aus England. Nach Seminaren und Schulungen galt es, auch die Freizeit interessant zu gestalten.
„Da waren Ursels Unterlagen Gold wert“, erzählt er. "Meine Führungen durch die Region und Weinproben kamen bei den Gästen hervorragend an."
Mehr als Weinwissen

Die Idee zu dieser Funktion war ursprünglich in Franken entstanden, um den Weintourismus zu stärken. Die Kultur- und Weinbotschafter sollten als Bindeglied zwischen Gästen, Winzern und Region fungieren. Denn während Winzer bei einer Weinprobe über ihre Weine berichten, vermitteln die Botschafter darüber hinaus Wissen über Geschichte, Kultur, Landschaft und Lebensart.
Aber nicht nur Faktenwissen gehört zur Ausbildung. Ebenso wichtig sind Kommunikation und Präsentation. Wie begrüßt man eine Gruppe? Wo stellt man sich hin, damit alle gut hören können? Wie kommt man in Kontakt? Wie kann man Führungen lebendig gestalten, so dass Menschen nicht nur Informationen konsumieren, sondern Erinnerungen behalten?
Wenn Geschichte greifbar wird

Bei einer Führung durch das Fort beispielsweise legen sie gerne vorher historische Kanonenkugeln bereit. Wer sie in die Hand nimmt, spürt sofort ihr überraschendes Gewicht. Geschichte wird plötzlich greifbar.
„Nicht nur Zahlen sind wichtig. Es muss etwas hängen bleiben“, sagt Manfred.
Jede Führung entsteht dabei in Eigenregie. Die Gästeführer und Kultur- und Weinbotschafter entwickeln ihre Themen selbst. So entsteht eine große Vielfalt: Es gibt Führungen zur Festungsgeschichte, zu jüdischem Leben in Landau, zu Wein und Genuss oder zu besonderen Orten, die selbst viele Einheimische kaum kennen. Jeder setzt dabei eigene Schwerpunkte und erzählt auf seine persönliche Weise.
Für neue Führungen schreiben Ursel und Manfred sogar eine Art Drehbuch. Wer erzählt was? Welche Geschichte passt an welchen Ort? Wann wird gewechselt? Hinter einer scheinbar lockeren Führung steckt viel Vorbereitung.
Dabei lassen sich die beiden gerne inspirieren. Im Urlaub nehmen sie regelmäßig an anderen Führungen teil. Was finden sie dort gut, was vielleicht weniger? Welche Ideen lassen sich übernehmen? So sammeln sie ständig neue Anregungen für ihre eigene Arbeit.
Lieblingsorte und Begegnungen
Besonders gerne verbinden die beiden ihre Führungen mit kulinarischen Erlebnissen. Brot und Wein gehören dabei zu ihren Lieblingskombinationen. Denn Essen und Trinken schaffen eine entspannte Atmosphäre und bringen Menschen miteinander ins Gespräch.Die Katharinenkapelle, ein Lieblingsplatz von Ursel und Manfred Ullemeyer
Besonders angetan hat es beiden jedoch der Kreuzgang. "Das kleine Schmuckstück wird von vielen Besuchern übersehen, obwohl es zu den schönsten Orten der Stadt gehört. Umso schöner ist es, dort eine Führung bei einem Glas Wein oder Sekt ausklingen zu lassen."
Kreuzgang der Augustinerkirche
Und genau darin sehen die beiden den Erfolg ihrer Arbeit. "Wenn Menschen nach einer Führung nicht sofort auseinandergehen, sondern noch stehen bleiben, miteinander ins Gespräch kommen und neue Kontakte knüpfen, dann haben wir alles richtig gemacht.“
Es sind diese Begegnungen, die aus einer Führung mehr machen als die bloße Vermittlung von Wissen. Und vielleicht ist genau das das Geheimnis der Kultur- und Weinbotschafter: Sie zeigen nicht nur Landau und die Südpfalz – sie schaffen Verbindungen zwischen Menschen und ihrer Region.
Infoseite zu den angebotenen Stadtführungen
VisitLandau - das Tourismusportal der Stadt
Infos über die Kultur- und Weinbotschafter in der Pfalz
Infos über die Ausbildung zum zertifizierten Kultur- und Weinbotschafter unter https://www.kultur-und-weinbotschafter.de/pfalz/ueber-uns
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
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