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Kleingartenverein am Ebenberg

Winterpause? Von wegen! - Von Stillstand keine Spur

Eine LandauErzählt-Geschichte von Annette Niklas-Wirth
Im Winter scheint in den Schrebergärten alles stillzustehen: keine blühenden Blumenmeere, keine summenden Insekten, keine Feste zwischen Apfelbäumen und Tomatenstauden. Doch wer denkt, dass die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner nun Winterschlaf halten, irrt.

Wenn der Garten schläft - und die Gartenfreunde trotzdem wach bleiben

Ein Gespräch mit Heidemarie Komor und Anna Arnold vom Schrebergartenverein "Am Ebenberg", Landau

Zwischen Planung, Pflege und Vorfreude wächst die nächste Saison schon längst – im Kopf und im Herzen. Die Anlage „Am Ebenberg“ zeigt sich offen wie ihre Hecken: niedrig genug, um interessierten Blicken den Zutritt zu erleichtern, und hoch genug, um die Fantasie sprießen zu lassen.

Kleingartenanlagen gelten in Rheinland-Pfalz als öffentliche Parkanlagen – ein moderner, einladender Gedanke, der gut zum Selbstverständnis des Vereins passt.

Wer gärtnert denn da? – Von Südstadt bis Südpark

Die Parzellen werden von Menschen aus der Südstadt und dem Südpark bewirtschaftet – das klassische Bild des Kleingartenwesens, in dem Arbeiterfamilien einen Rückzugsort aus beengten Wohnverhältnissen suchten, hat sich gewandelt. Heute kommen junge Familien, Gartenliebhaber zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Lastenrad, um Abstand von Bildschirm, Job und Stadtlärm zu bekommen. Sie wollen ihr eigenes Gemüse, Kräuter, Obst anbauen und bewusster konsumieren oder auch ihren Kindern einen sicheren Freiraum bieten. Manchmal fehlt ihnen der eigene Garten; sie tendieren zu Entschleunigung und nachhaltigerem Leben mitten in der Stadt. So mancher Hobbygärtner nutzt die Mittagspause für einen kurzen Abstecher ins Grüne.

Das Hobbygärtnern ist eine Glaubensfrage“, sagt Heidemarie Komor mit einem Augenzwinkern. Während manche ihre Gärten schon im Oktober in den Wintermodus schicken, lässt sie selbst vieles stehen – schließlich freuen sich die Vögel über die Samenstände.

Dieses Jahr wagt sie zudem ein Experiment: Dahlien zu überwintern in der Erde, mit einer dicken Laubdecke als Schutz. „Das Internet sagt, das klappt – also probier‘ ich’s!“

Gemeinschaft, Glühwein & Gartenglück – Winter im Verein

Wie bleibt man als Verein sichtbar, wenn die Beete schlafen? „Durch Gemeinschaft“, sagt Anna Arnold. Die Jahreszeit bleibt nämlich nicht untätig:

Gemeinschaftseinsätze: Wasseruhren ausbauen, Hecken schneiden, Markstand putzen – die Anlage winterfest machen ist Teamarbeit.

Adventliches Beisammensein: Mit Glühwein, Kinderpunsch und Marshmallows wird das Gartenjahr verabschiedet. Wenn Jugendliche sagen, es sei schöner als der Weihnachtsmarkt, dann hat man wohl als Verein einiges richtig gemacht.

1. Mai-Brunch: Jedes Jahr feiert die Gemeinschaft Geburtstag – 2013 ging die Anlage vom Gelände der Gartenschau in die Hände des Vereins über.

Ein „puppenstubiger Mikrokosmos“, schwärmt Komor – und man glaubt es sofort.

Der Markstand: Ein kleines Paradies für Tauscher & Träumer

Der Markstand ist im Sommer wie im Winter eine Schatzkiste: Blumen, Kräutertees, Obst, Gemüse, Deko, Gebasteltes, Genähtes – alles gespendet, alles zum Mitnehmen gegen einen freiwilligen Betrag für den guten Vereinszweck.

Die Atmosphäre? Ein bisschen Tante Emma, ein bisschen Landlust, ein bisschen nachhaltige Rebellion. Hier wird nicht weggeworfen, hier wird weitergegeben.

Fans gibt’s auch schon. Richtige Fans. Mit Briefen. Und Komplimenten.

Nachhaltigkeit: Vom Weinfass bis zur Kompostkammer

Die Regeln des Bundeskleingartengesetzes erlauben Struktur: Ein Drittel Nutzfläche, ein Drittel Erholung, ein Drittel Häuschen. Und dieses Häuschen gibt es nur in drei Farbtönen: rot, blau und grau– ja, nur die drei. Mehr Einheitlichkeit, weniger „Patchwork-Optik“.

Wasser wird zunehmend kostbar. Deshalb sammeln viele Gärtner Regenwasser – gerne in alten Weinfässern. Innenanschlüsse? Fehlanzeige. Einen Außenanschluss am Haus gibt es, aber im Herbst wird das Wasser komplett abgestellt.

Kompostieren ist Pflicht und Leidenschaft zugleich. Ein gemeinsamer Häcksler sorgt dafür, dass Laub und Schnittreste als Mulch oder Kompost zurück in den Kreislauf gelangen. Hochbeete sind beliebt, nehmen ebenfalls viele Gartenabfälle auf und verwandeln diese in wertvollen Kompost. Selbst auf dem gerade mit Spendengeldern generalüberholten Spielplatz gibt es Kompostkammern und Hochbeete – Nachhaltigkeit zum Mitmachen.

Winterernte & Blumenglück – Kleine Wunder im Frost

Auch im Winter erntet man: Kräuter, Sträuße, und mit etwas Glück sogar Blüten. Anna Arnold schwört auf ihre Christrose – ein Tipp aus der Gartennachbarschaft. „Mit den Jahren merkt man, was einem liegt.“

Salat wächst prächtig im Hochbeet, Kräuter und Blüten werden getrocknet, Teemischungen komponiert. Heidemarie Komor zaubert Gartentee, der gelegentlich auch im Markstand zu finden ist. Gartenkunst zum Trinken.

Nachbarschaft deluxe – 36 Parzellen, eine große Klasse

„Wir sind wie eine Schulklasse“, sagt Komor lachend. 36 Parzellen, verschiedene Kulturen, Generationen und Charaktere – und trotzdem (oder gerade deshalb) ein Miteinander. Man leiht sich Geräte, teilt Wissen, hilft sich aus. Konflikte? Ja, eher selten. Dramen? Nein. Der Garten regelt vieles im Grünen.

Wo die Seele wurzelt – Der Garten als Meditation

Unkraut ziehen, säen, graben, Laub harken – monotone Tätigkeiten in schönstem Sinne. Viele finden darin Ruhe und Klarheit. Jemand fertigt im Garten Skulpturen an. Wieder andere genießen einen Kaffee im Garten, während die Stadt nur wenige Meter entfernt pulsiert.

Kein Telefonklingeln, kein Piepsen einer Waschmaschine, keine Paketboten. Stattdessen: Gimpel, Meisen, Eichhörnchen. Ein Naturschutzgebiet als Wohnzimmer.

Wo der Winter ruht, blüht die Sehnsucht

Der Schrebergarten „Am Ebenberg“ ist weit mehr als eine Sammlung von Parzellen. Er ist ein Ort der Begegnung, der Kreativität, des Naturschutzes – und ein Platz, an dem sogar der Winter grün erscheint.

Hier schläft der Garten nicht. Er träumt nur. Und mit ihm die Menschen, die ihn lieben.

INFOBOX

Kleingartenverein am Ebenberg e.V., Eutzinger Str. 40, 76829 Landau

Ansprechpartner: Heidemarie Komor, 1. Vorsitzende

Mail: ed.grebnebe-ma-netrag@SPAMztisrov

Web: http://garten-am-ebenberg.de

Facebook: https://www.facebook.com/gartenamebenberg

Und: Warum heißen Schrebergärten eigentlich so? Der MDR weiß es.

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Annette Niklas-Wirth

Fotos © Annette Niklas-Wirth, Redaktion (2)

Tags: #Schrebergarten  #Gartenverein  #Ebenberg  #Kleingarten  #UrbanGardening  #Gartenliebe  #Naturerleben  #Gemeinschaftsgarten