Auf der Kinder- und Jugendfarm Landau wird gematscht, geklettert, gesägt und gegärtnert. Kinder feiern hier Geburtstag, backen Stockbrot, malen, töpfern oder spielen einfach auf dem weitläufigen Gelände. Auf der Farm dürfen sie unter pädagogischer Betreuung vieles, wofür anderswo oft Zeit, Platz oder Gelegenheit fehlen: ausprobieren, entdecken und selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen möchten.
Ab sechs Jahren können sie die Farm sogar ohne ihre Eltern besuchen. Sie erleben hier, wie schön es sein kann, wenn nicht ständig Erwachsene sagen, was sie tun sollen.
Dagmar Flörchinger, Leiterin der Jugendfarm
1987 lernte Dagmar Flörchinger in Berlin-Kreuzberg erstmals eine Kinder- und Jugendfarm beziehungsweise einen Aktivspielplatz kennen. Das Konzept ließ sie nicht mehr los: ein betreuter Ort, an dem Kinder selbst gestalten, ausprobieren und Verantwortung übernehmen können. Ihr Traum war es, selbst einmal eine solche Farm ins Leben rufen zu können.
Dagmar Flörchinger wurde Erzieherin und Kunsttherapeutin, arbeitete mit Kindern, hatte einen Lehrauftrag an der Universität Landau und gab Kurse auf einem Kinderbauernhof in Speyer. Als sie von der geplanten Landesgartenschau hörte, erzählte sie einer Freundin davon. „Das ist deine Chance“, sagte die spontan.
Große Unterstützung vom "Mutterschiff"
Dagmar Flörchinger nahm Kontakt zum Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze auf. Sie besuchte andere Einrichtungen, sammelte Informationen. 2014 eröffnete sie dann die Kinder- und Jugendfarm Landau, die sie seither leitet. "Ohne die große Unterstützung vom Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze - unserem "Mutterschiff" - und ohne die vielen Ehrenamtlichen und FÖJler wäre das nicht möglich gewesen." Ihre Vorstellung damals : ein großes Gelände, Tiere als Begleiter der Kinder und eineinhalb Personalstellen. Mit diesem Konzept ging sie zur Stadt. Die Idee kam gut an und die Stadt half in vielerlei Hinsicht.Denn zu stemmen gab es auch so genug. Das Gelände musste saniert und erschlossen, Strom und Wasser verlegt und Geld beschafft werden. Viele Menschen packten mit an. Über Spenden und Benefizveranstaltungen kamen rund 120.000 Euro zusammen, die für die Erschließung und Aufbauarbeiten notwendig waren.
2014 öffnete die Kinder- und Jugendfarm. Während der Landesgartenschau 2015 kamen Tausende Besucherinnen und Besucher. Aus der Idee war ein Gemeinschaftswerk geworden – getragen von vielen Ehrenamtlichen, die sich bis heute für die Farm engagieren.
Freiheit braucht Verantwortung

Auch ein Grillplatz ist integriert

Die großen Seifenblasen sind noch immer der Hit für Jung und Alt
Dazu gehört für Dagmar Flörchinger auch, Kindern etwas zuzutrauen. Bei einem Workshop „Vom Korn zum Brot“ sollte eine fünfte Klasse ein Feuer entzünden. Keines der Kinder, erinnert sich Frau Flörchinger, hatte zuvor selbst ein Streichholz angezündet. Auf der Farm lernten sie es – und zugleich, wie man verantwortungsvoll mit Feuer umgeht.
Auch beim Gärtnern geht es ums Selbermachen und Erleben. Kinder säen, pflegen und ernten und erfahren dabei, wie lange es dauert, bis aus einem winzigen Samen ein Kohlrabi wird – und dass Lebensmittel nicht einfach im Supermarkt entstehen.
Keine Schablone fürs Leben
Auch beim Malen sollen Kinder ihren eigenen Weg finden. Frau Flörchinger erlebt immer wieder, dass sie zunächst wissen wollen, wie etwas "richtig“ gemacht wird. Manche fragen nach einer Schablone. Die gibt es auf der Farm nicht. „Wir sagen: Gestalte es so, wie du möchtest – wir helfen dir dabei.“Was solche Freiräume bewirken können, hört Dagmar Flörchinger auch von Lehrerinnen und Lehrern. Nach Besuchen auf der Farm erzählen sie ihr von Kindern, die sie kaum wiedererkannt hätten: Schülerinnen und Schüler, die im Schulalltag als auffällig erlebt werden, seien hier plötzlich ruhig und gelassen gewesen und hätten mit Freude mitgemacht.
Alle sollen mitmachen können
Die Farm soll für möglichst viele Kinder offen sein. Bei der Gestaltung des Geländes wurden deshalb auch Rollstuhlfahrer ausdrücklich mitbedacht; Rampen erleichtern zugleich Familien mit Kinderwagen den Zugang. Herkunft oder Geldbeutel sollen ebenfalls keine Hürden sein. Wer den Verein unterstützen möchte, kann Mitglied werden oder eine kleine Spende da lassen. Hilfe im Garten oder in anderen Bereichen ist hilfreich, aber kein Muss.Auch Offenheit gegenüber anderen Kulturen ist Flörchinger wichtig. Informationen zur Farm gibt es deshalb in mehreren Sprachen. "Ich freue mich, wenn Menschen auf dem Flyer ihre eigene Sprache entdecken und ein Lächeln über ihr Gesicht huscht." Manchmal reichen ein paar vertraute Worte für die Botschaft: Ihr seid hier willkommen.
Möglich durch viel ehrenamtliches Engagement

Das Team
Die Farm wurde für ihre Arbeit im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Die Nachfrage ist groß, ihr Einzugsgebiet reicht längst über Landau hinaus. Familien kommen auch aus Speyer und Karlsruhe.
Die Ehrenamtlichen leisten dabei Unglaubliches. Mit viel Liebe, großem Engagement und kreativen Ideen schaffen sie eine wertvolle Grundlage für die Einrichtung. Langfristiges Ziel ist es, diese wertvolle Arbeit durch eine gesicherte Finanzierung bezahlter Stellen nachhaltig zu stärken und professionelle Strukturen aufzubauen, damit das Engagement auch in Zukunft seine volle Wirkung entfalten kann.
Warum sie sich so für die Kinder- und Jugendfarm engagiert?
Weil sie weiß, welch großen Wert die Farm für Kinder und Familien hat: Natur erleben, Gemeinschaft erfahren, das Handy einmal beiseitelegen. Solche Orte sind für Kinder und Erwachsene wichtig. Sie sind not-wendig – weil sie manchmal helfen, Not zu wenden.Website der Kinder- und Jugendfarm
Auftritt bei Instagram
Website vom Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze eV (BdJA)
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
Fotos © Jugendfarm, Redaktion

