Wer mit Frank Hetzer, von 1994 - 2007 Leiter der städtischen Grünflächenabteilung, durch die Landauer Parks spaziert, sieht die Stadt plötzlich mit anderen Augen: durchwurzelt von Geschichte, umrankt von Geschichten – rund um die erholsamen, erfrischenden Schatten spendenden Parks, die Landau umsäumen und die zum Chillen & Träumen, zum Picknick & Treffen mit Freunden oder einfach zu einem erholsamen Spaziergang einladen.
Die Gartenstadt
Am Rathausplatz
Aber zurück zu unserem Spaziergang mit Frank Hetzer.
Vom Aldi-Parkplatz zum beliebten und belebten Treffpunkt

Die große und die kleine Linde
„Wir haben bei der Baumauswahl den architektonischen Aspekt berücksichtigt und Zierkirschen gewählt, weil sie nicht so hoch werden", erinnert sich Frank Hetzer. "So bleibt der Blick auf die große Empore und das Alte Kaufhaus frei.“ Stadtbildpflege durch Baumauswahl – unspektakulär klingend, aber beste Grünamtsarbeit.
Süwega, Linde & Co – grüne Erinnerungen
Auf dem Weg zum Alten Messplatz kommen wir vorbei am „Platz der Gartenschau“ – den kaum jemand kennt. Eine Grünfläche in der Fortstraße, gegenüber dem Atelier Salon, ein wenig vernachlässigt. Hier stehen zwei prächtige Linden: eine Winterlinde von 1949, gepflanzt zur SÜWEGA, und eine Sommerlinde von 2015 zur Landesgartenschau. Zwei Lindengenerationen – wie im Dialog. Tafeln erinnern an die beiden Ereignisse.Robinien-Allee, Ulmensterben, und hölzerne Erinnerung
Weiter geht's zum Alten Messplatz. Einst war er eingerahmt von 75 Robinien – schön, aber bruchgefährdet. Daher mussten sie weichen, trotz heftigen Widerstands. „Nach 1975 haben wir Platanen gepflanzt – heute will keiner mehr die Robinien zurück“, so Hetzer.In den 1980er-Jahren raffte ein Schädling Hunderte Ulmen in Landau dahin. Ein trauriges Kapitel, aber auch Teil der Stadtgeschichte. Einige Stämme fanden eine neue Aufgabe: Aus ihnen wurden die Pulte für den Rathaussaal gefertigt – stille, hölzerne Erinnerungen.
Und 2020 verschwand hier ein weiteres Stück Vergangenheit: Die alte SÜWEGA-Holzmessehalle am hinteren Teil des Messplatzes wurde abgerissen, um Platz für Parkplätze zu schaffen.
Zwischen Bismarckturm und Blutbuche
Weiter geht es vorbei an der Ludowici-Villa (1898), einem Prachtbau mit einer eindrucksvollen Blutbuche davor. Die dekorativen bunten Ziegel auf dem Dach des Wintergartens sind ein Schmuckstück für sich.Nur wenige Meter weiter führt wohl die schönste Brücke Landaus über den Derivationskanal, Zu Festungszeiten diente er als zusätzlicher Schutz zum Fluten der vor der Festung liegenden freien Flächen. Auf der einen Seite lädt ein schattiger Waldweg zum Spaziergang ins Fort und zum Bismarckturm ein. „Der Bismarckturm wurde 1910 wieder aufgebaut, weil sein Vorgänger auf unsicherem Grund gebaut und schließlich eingestürzt war – auch im Grünen baut man manchmal auf wackligem Untergrund“, schmunzelt Hetzer.

Schillerpark: Fast ein botanischer Garten
Wir aber wenden uns in die Gegenrichtung - denn hier an der Brücke ist direkt der Eingang zum Schillerpark. Im nördlichen Teil, dem Bayerngarten, lädt der Wilhelm-Tell-Stein zum Innehalten ein. Weiter geht es in den barock anmutenden Brunnengarten mit Wasserschale, vier bunt bepflanzten Beeten und Sitzplätzen unter blühenden Bäumen. Die Anlagen stehen unter Denkmalschutz und dürfen nicht verändert werden.Früher war ein besonderes Highlight das vom Stadtbauamt geplante Restaurant mit vorgelagerter Tanzfläche. „Das war eine beliebte Adresse für gutes Essen, Feste und Tanz“, erinnert sich Hetzer. Auch heute noch beherbergt das Gebäude einen der bekanntesten Gastronomiebetriebe in der Stadt und wohl der schattigste Biergarten in Landau.
„Der Schillerpark ist fast ein botanischer Garten: z.B. findet man exotische Bäume wie den Eisenholzbaum, der im Herbst in allen Farben leuchtet. Viele dieser Arten vertragen Hitze und kommen gut mit dem Klimawandel zurecht.“ Hetzer empfiehlt, den Park monatlich zu besuchen, um seine Wandelbarkeit zu erleben.
Und: "Wem auf dem Rathausplatz Schatten fehlt, es sind nur ein paar Meter Entfernung zum Schillerpark mit seinen Tulpenbäumen und anderen exotischen Gewächsen und zu kühlen Getränken im Biergarten".
SÜWEGA-Girls und Blumenkorso

Frank Hetzer
Und die legendären „SÜWEGA-Girls“? Als Erinnerung rekonstruierte Hetzer zur Landesgartenschau 2015 liebevoll eine dieser Figuren – samt Kleidung, Film, Hüten und der kleinen Hütte, die einst im Schillerpark stand.
Goethepark in Sicht
Auf dem Weg Richtung Goethepark säumen wunderschöne Häuser die Straße An 44, darunter die bekannte Ufer-Villa. Deren Besitzer kaufte seinerzeit 3000 m² vom gegenüberliegenden Park – um sicher zu sein, dass dort kein anderes Haus gebaut wird.Nicht weit davon geht's schließlich zum Westbahnhof. „Schon zur SÜWEGA-Zeiten stand hier dieser Kiosk – der erste, an dem es nach dem Krieg Eis am Stiel gab.“
Hier endet unser gemeinsame Spaziergang und wir verabschieden uns voneinander. Beim nächsten Mal führt uns Frank Hetzer weiter – in den Goethepark. Und sicher werden wir hier wieder darüber berichten.
Einen Artikel von Frank Hetzer über die SÜWEGA 1949 findet man hier.
Weitere Routen, um Landau eigenständig kennenzulernen, z.B. auch mehrere "Grüne Routen durch Landauer Parkanlagen" zum Selberlaufen, finden sich auf der Seite des Landauer Tourismusbüro.
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
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