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Die Stiftskirche, ein Wahrzeichen von Landau

Eine Kirche, die leben soll

Die Stiftskirche ist die größte gotische Kirche der Pfalz, älteste Kirche Landaus, Wahrzeichen, Gotteshaus und Begegnungsort. Seit Jahrhunderten prägt sie das Leben der Stadt. Eine Bürgerstiftung will nun helfen, sie zu erhalten und zu einem offenen Ort für Kultur, Hilfe und Begegnung weiterzuentwickeln.

Wie sieht die Stiftskirche in zehn Jahren aus? Bei dieser Frage strahlt Volker Janke. Der Dekan hat sofort ein Bild vor Augen: Durch neu eingesetzte Glasflächen im historischen Eingangstor fällt Licht, der Blick reicht bis zum Altar. Und vielleicht trifft man sich anschließend im neuen Begegnungscafé. Die Kirche öffnet sich – im ganz wörtlichen Sinn.

Es gibt doch den Kirchbauverein - warum noch eine Stiftung?

Der Kirchbauverein kümmert sich seit vielen Jahren in herausragender Weise um den Erhalt der Stiftskirche und sammelt dafür Beiträge und Spenden. Doch der Unterhaltsstau ist so groß, dass das nicht mehr reicht. Es stellte sich die Frage: Lässt man die Kirche „in Würde altern“ – oder findet man neue Wege, sie für die Zukunft zu erhalten? Dass sich Fachleute für Baufundraising fanden, war für Janke ein „Geschenk des Himmels“. Sie untersuchten die Möglichkeiten. Ihre Empfehlung: eine Bürgerstiftung.

Es geht um mehr als Geld

Dekan Volker Janke

„Unsere Hoffnung ist, dass die Bürgerstiftung mehr Geld einbringt“, sagt Janke pragmatisch. Rund sechs Millionen Euro werden nach heutigem Stand für die geplanten Veränderungen benötigt. Stiftungskapital bleibt erhalten und erwirtschaftet Erträge, größere Zustiftungen sind steuerlich besonders begünstigt.

Die Stiftung erreicht zudem Menschen außerhalb der Kirche, die diesen besonderen Ort erhalten wollen. Hinter ihr stehen neben Janke Dr. Ulrich Dähne, Prof. Dr. Karin Finsterbusch und Dr. Maximilian Ingenthron sowie Sabine Schilling und Svend Larsen. Für den Vorstandsvorsitz wurde der ehemalige Bundesbauminister Volker Wissing gewonnen. Sie bringen Zeit, Wissen und Kontakte ein, werben Spenden ein, suchen Fördermöglichkeiten und müssen neue Ideen mit dem Denkmalschutz in Einklang bringen.

Über Jahrhunderte hat die Kirchengemeinde die Stiftskirche getragen. Nun soll auch die Bürgerschaft stärker Verantwortung übernehmen.

Musikalische Bundesliga

Die Kantorei mit ihren Gruppen von Kindern bis zu Senioren ist für Janke ein „tragender Pfeiler“ der Stiftskirche. Ihr Niveau? „Das ist musikalische Bundesliga“, sagt er. „Ohne sie wäre Landau ärmer.“

Heute steht der Chor bei Auftritten ganz vorne. Eine versenkbare Bühne könnte ihm künftig Raum geben und anschließend wieder im Boden verschwinden. Der Altar könnte vorne seinen Platz finden, aber beweglich bleiben. So ließe sich der Raum für große Choraufführungen nutzen, ohne die gotische Architektur dauerhaft zu verstellen.

Heller, wärmer, offener

Die Umbaupläne hängen in der Kirche aus

Zwei Kritikpunkte hört Janke immer wieder: Die Stiftskirche sei dunkel und kalt. Beides soll sich ändern.

Heller würde es durch ein neues Lichtkonzept. Die Leuchten aus den 1950er-Jahren – Janke vergleicht sie mit "umgedrehten Putzeimern" – werfen ihr Licht fast nur nach unten. Wie ein „kleiner Wurm“ sollte sich der Mensch fühlen und ehrfürchtig den Blick nach oben richten. Künftig könnte auch das gotische Gewölbe ausgeleuchtet werden.

Wärmer würde es durch eine neue Heizung. Die alte Sitzbankheizung ist wegen Mängeln an der Elektrik und Stromschlaggefahr außer Betrieb. Gerade bei Konzerten ist Kälte ein Problem. Bei Konzerten braucht es mindestens 16 Grad für die Instrumente – und damit die Musiker nicht mit klammen Fingern spielen müssen.

Offener würde die Stiftskirche durch neue Angebote. Ein Begegnungscafé könnte Menschen ins Haus holen, die nicht zum Gottesdienst kommen. Geplant ist zudem ein diakonisches Hilfezentrum nach dem Prinzip: „Hier bekomme ich Hilfe.“ Auch eine Toilette könnte künftig direkt von der Kirche aus zugänglich sein.

Von der Taufe bis zum Tod

Im runden Turm hinter der Kirche soll ein Kolumbarium, eine Begräbnisstätte für Urnen, entstehen. Damit schließt sich der Bogen von der Taufe bis zum Tod. Das Interesse ist bereits da. Einen praktischen Aspekt gibt es auch: „Mehr Geld“, sagt Janke lächelnd. Zugleich bekommen Abschied und Erinnerung einen festen Platz an der Stiftskirche.

Öffnung als Gratwanderung

Gottesdienste und Kirchenmusik sollen das Herzstück bleiben. Daneben kann sich Janke Lesungen, Konzerte, Poetry Slams oder Abiturfeiern vorstellen. Auch Menschen, die sonst kaum eine Kirche betreten würden, sollen sich angesprochen fühlen.

Wie weit darf diese Öffnung gehen? Es ist eine Gratwanderung: neue Formate zu wagen und zugleich die Würde des Ortes zu bewahren. Bei der Fête de la Musique wurde das konkret. Ein kirchlicher Mitarbeiter, selbst DJ, gestaltete einen Gottesdienst, danach gab es eine Techno-Party. Jankes 19-jähriger Sohn bestärkte ihn: „Papa, das wäre einfach cool.“

Mehrere Tausend, vor allem junge Menschen strömten durch die Kirche. Janke war „total geflasht“. Viele sagten ihm, bei solchen Angeboten würden sie öfter kommen.

Doch es gab Kritik. Viele empfanden die Techno-Party als Entwürdigung des Kirchenraums. Janke nimmt das ernst, erinnert aber daran, dass auch Popmusik in Kirchen einmal umstritten war und heute selbstverständlich ist. Ob es noch einmal Techno gibt, weiß er nicht. Der Abend war ein Versuchsballon – aus den Erfahrungen will man lernen.

Was die Stiftungsgründer antreibt

All diese Pläne kosten Geld, Zeit und viel Engagement. Doch für Janke und seine Mitstreiter geht es um mehr als den Erhalt eines Baudenkmals: Die Stiftskirche soll ein lebendiger Ort für Landau und seine Menschen bleiben.

Was wäre für Janke schlimmer – eine Stiftskirche, die sich architektonisch stark verändert, oder eine wunderschön bewahrte Kirche, die kaum noch genutzt wird?

Er muss nicht überlegen.

„Wenn sie nicht mehr genutzt wird.“

Mehr zum Thema

Website der Protestantischen Stiftskirchengemeinde

Informationen über die Landauer Kantorei

Hier präsentieren sich der Kirchbauverein und die neue Bürgerstiftung

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Redaktion