Was passiert, wenn ein Künstler den Vorsitz eines städtischen Gremiums übernimmt – jemand, der noch nicht lange hier wohnt – mit wachem Blick und unvoreingenommenem Geist? In Landau könnte genau das der Anfang einer spannenden Entwicklung sein.
Ein Beirat als kulturelle Denkwerkstatt
Der Kulturbeirat wurde gegründet, um Stimmen aus möglichst vielen unterschiedlichen Sparten der Kultur zusammenzubringen. Er arbeitet beratend – im Gegensatz zum Kulturausschuss der Stadt, in dem auch Entscheidungen fallen. Die Mitglieder kommen per Losverfahren ins Gremium, meist ein bis zwei Personen pro Bereich – Musik, Tanz, Bildende Künste, Brauchtum, darstellende Künste, Film & Medien, Literatur, Uni sind vertreten.Mit Volker Vieregg hat der Kulturbeirat seit Herbst 2024 einen neuen Vorsitzenden. Vieregg ist zwar 1958 in Landau geboren, hat aber einen Großteil seines Lebens an anderen Orten verbracht. Selbst als Maler tätig, bringt er frische Perspektiven mit – und einen Blick von außen auf die Landauer Kulturszene, der durchaus als Vorteil gesehen wird. Ohne eingefahrene Strukturen sucht er gezielt nach Verbindungen zwischen den Akteuren.
Perspektivwechsel und Vernetzung

Volker Vieregg in seinem Atelier in der Theaterstraße
Deshalb gibt er gezielt Kulturschaffenden aus verschiedenen Sparten die Möglichkeit, bei den Sitzungen ihre Arbeit vorzustellen und von ihren Ideen, Zielen, Herausforderungen zu berichten. So lernen die Mitglieder nicht nur neue Gesichter kennen oder altbekannte genauer kennen, sondern bekommen auch einen konkreten Einblick in die kulturelle Vielfalt der Stadt.
Strukturen hinterfragen, Austausch ermöglichen
Aktuell gibt es 14 stimmberechtigte und mehrere nicht-stimmberechtigte Mitglieder. Vieregg möchte beide Gruppen näher zusammenbringen, damit gemeinsame Ideen entstehen. Drei Sitzungen im Jahr reichen dafür aus seiner Sicht nicht – deshalb plant er zusätzlich einen Workshop für die Stimmberechtigten. Dort soll es Raum für Austausch, Diskussion und gemeinsames Denken geben. Besonders wichtig ist es ihm, auch die Uni mit einzubeziehen. "Denn da gibt es wenig Berührung mit der Bevölkerung, das sollte sich ändern."Digitale Pinnwand als Begleiter
Eine interne Plattform mit digitaler Pinnwand unterstützt die Arbeit: Dort sind Themen, Anregungen und Informationen für die Mitglieder jederzeit zugänglich – eine praktische Hilfe für die Kontinuität zwischen den Treffen.Kulturlandschaft mit Potenzial
Vieregg kennt Kulturszenen aus anderen Städten und kann vergleichen. "Die Landauer Kulturszene ist lebendig und voller Möglichkeiten." Trotz gekürzter Mittel sieht er Chancen – etwa durch Förderanträge, die aktiv von der Stadt unterstützt werden. Besonders am Herzen liegt ihm die Verbindung von städtischer Kulturarbeit und freier Szene. Beide sind für ihn keine Gegensätze, sondern Kräfte, die sich gegenseitig bereichern können.Kleine Pflänzchen mit Zukunft
Die ersten Schritte unter seiner Leitung sind gemacht. Die Mitglieder wirken motiviert, die Ideen vielfältig. „Es sind noch kleine Pflänzchen“, sagt Vieregg, „aber sie wachsen – wenn man sie gießt.“Das Kulturbüro der Stadt unterstützt dabei aktiv – und es sieht ganz so aus, als würde sich in Landau kulturell einiges bewegen.
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