Wer in Landau vom Horst spricht, hört oft zuerst Vorurteile: große Wohnblöcke, strukturschwach, soziale Probleme. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt einen überraschend grünen Stadtteil, der weit mehr ist als der zugepflasterte Danziger Platz mit seiner Betonarchitektur.
Gemeinsam mit Harald Krapp vom Quartiersrat und Lisa Doll vom Quartiersmanagement wurde schnell deutlich: Der Horst ist ein Stadtteil mit rund 8.000 Einwohnern – ein Vielfaches von jedem der Landauer Stadtdörfer. Da ist viel da, auf das man bauen kann, aber es gibt auch noch eine Menge zu tun. Man ist dabei, und zwar mit einem sog. Stadtentwicklungsprojekt.
Dass der Horst als Fördergebiet ausgewählt wurde, liegt an einer städtischen Analyse eher strukturschwacher Quartiere. Sie ergab, dass der Horst – zusammen mit dem Malerviertel inkl. Thomas-Nast-Park und dem Gebiet rund um die BBS auf der anderen Seite der Bahnlinie – großes Potential hat.
Auf rund 220 Seiten wurde der Stadtteil unter die Lupe genommen, angefangen von der baulichen Situation über Klima, Verkehr bis hin zur Zusammensetzung der Bevölkerung. Daraus wiederum wurden Maßnahmen abgeleitet, wie man mittelfristig und nachhaltig dieses Gebiet weiterentwickeln kann.
Das Ergebnis: Ein sog. ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) mit dem Titel „Sozialer Zusammenhalt Landau-Horst – Gemeinsam Ideen für Ihren Stadtteil entwickeln und umsetzen“.
Das Quartiersmanagement

Lisa Doll (rechts) und Sarah Daniel vom Quartiersmanagement
Lisa Doll und ihre Kollegin Sarah Daniel sind dafür verantwortlich und oft vor Ort. Sie haben auch maßgeblich am Konzept für das neue Quartierszentrum gearbeitet, das im April 26 in den ehemaligen Räumen der Sparkasse am Danziger Platz entstanden ist.
„Die Arbeit ist effektiv und macht Spaß“, sagt Lisa Doll. „Hier kann man so viel bewegen, es gibt eine gute Beteiligung von Seiten der Bürgerschaft, mit dem Quartiersrat kann man prima zusammenarbeiten und auch die Stadt erkennt die Bedeutung unseres Projekts."
Damit das Quartiersmanagement für die Bürger gut erreichbar ist, gibt es zwei Quartierbüros: eines am Danziger Platz und ein zweites im Malerviertel in der Albrecht-Dürer-Straße.
Der Horst hat ein großes Potenzial
Davon sind Lisa Doll und Sahra Daniel überzeugt. Zwischen Hochhäusern, Einfamilienhäusern, Gärten und viel Grün leben hier Menschen unterschiedlichster sozialer Hintergründe direkt nebeneinander – arm und reich, junge Familien und ältere Bewohner. Viele Radwege, grüne Flächen und eine kinderfreundliche Struktur prägen das Viertel ebenso wie Schulen, Kindergärten und neue Familien, die bewusst hierherziehen. Der öffentliche Nahverkehr wird gut angenommen, die Taktung stimmt, auch die Flexline wird genutzt. „Das“, meint Lisa Doll, „sind gute Voraussetzungen, ein lebendiges Viertel zu entwickeln, in dem die Menschen sich wohlfühlen und sich damit identifizieren."Gleichzeitig aber fehlen z.B. innerhalb des Horstrings wichtige Nahversorger – es gibt keine Gastronomie mehr, nicht mal mehr einen Bäcker. Immerhin eine Ärztin ist vor Ort.
Der Quartiersrat

Harald Krapp, Vorsitzender vom Quartiersrat
„Hier ist das Leben“, sagt Krapp über seinen Stadtteil. Und genau das sei das Ziel des Quartiersrates, auch sein ganz persönliches: dass die Menschen sich in ihrem Viertel wohlfühlen, dass sie ihre Freizeit im Horst und im Malerviertel verbringen, sich begegnen und ihren Stadtteil als Lebensmittelpunkt erleben.
Und dazu müssen die Angebote verbessert werden, Orte, die die Menschen zusammenführen. „Der Danziger Platz“, meint Harald Krapp und schaut umher, „ist mehr oder minder eine Betonwüste. Hier lädt nichts zum Sitzen, Plaudern oder Genießen ein. Und das letzte Geschäft und die letzte Kneipe hier haben vor kurzem zugemacht.“ Diese Entwicklung wollen er und seine Mitstreiter umkehren.
„Es geht nicht nur um eine schönere Gestaltung des Platzes“, erzählt Krapp. Er soll ein zentraler Punkt im Viertel werden, Menschen aus der Umgebung anziehen, sich dort zu begegnen, miteinander zu sprechen oder zu feiern.“ Und dazu dient eben auch das neue Quartierszentrum. „Gerade für Jugendliche fehlt ein attraktives Angebot“, ergänzt er. Das Quartierszentrum liegt direkt neben dem "Mehrgenerationenhaus", einer Begegnungsstätte für "Horstler", unabhängig von Alter, der Herkunft, Geschlecht oder des sozialen oder kulturellen Hintergrundes. Hierher kommen auch viele Kinder und Jugendliche, und daher wurde das Quartierszentrum bewusst alkoholfrei konzipiert.
Aber auch „auf der anderen Seite“ des Horsts, also jenseits der Bahnlinie, gibt es viel zu tun. Hier ist zum Beispiel geplant, den heute etwas lieblos erscheinenden Thomas-Nast-Park umzugestalten, um ihn als benachbarte Naherholungsfläche attraktiver zu machen.
Bildergalerie: Impressionen vom Horst
Bürgerbeteiligung wird großgeschrieben
Ohne eine intensive Bürgerbeteiligung kann ein solches Projekt kaum Erfolg haben. Die Bewohner müssen sich mit den Zielen identifizieren, ja mehr noch, sie müssen ihre Ideen in die Planungsprozesse einbringen. „Dieser Beteiligungsprozess ist ein fester Bestandteil bei allen wichtigen Schritten“, betonen Lisa Doll und Harald Krapp einmütig,So fanden z.B. im Herbst 2025 mehrere Veranstaltungen zur geplanten Umgestaltung des Danziger Platzes statt. Planungsbüros stellten ihre Entwürfe vor und die Besucher konnten ihre Meinungen und ihre Präferenzen äußern.
Aus dem Quartiersrat heraus bildete sich zusätzlich die Bürgeraktion „Aktion Horst“. Hier unterstützt man Themen wie Geschwindigkeitsüberwachung auf dem Horstring, das Aufstellen von Sitzbänken. Gewerbeansiedliungen oder die Re-Vitalisierung des Danziger Platzes. Gerade letzteres erfordert deutlich mehr als Baumaßnahmen: „Was nützt der schönste Bodenbelag, wenn das Leben darauf fehlt?“, bringt es eine Aktive auf den Punkt.
Ebenfalls im Herbst wurde ein Parkfest im Thomas-Nast-Park organisiert, wo Jung und Alt aus der Nachbarschaft Ideen und Wünsche für eine zukünftige Umgestaltung und Nutzung des Parks einbringen konnten. „Rund 120 Leute haben daran teilgenommen“, sagt Lisa Doll erfreut.
Die Vision

Eröffnung des neuen Quartierszentrums am 18. April 2026
Für Harald Krapp ist die Vision klar: "Ein grüner, lebendiger, lebenswerter Stadtteil mit hoher Wohnqualität. Ein Ort, der sich zunehmend selbst organisiert, mit einem eigenen Ortsvorsteher als Sprachrohr und echter Entscheidungsgewalt."
Der Horst ist längst mehr als sein Ruf – vielleicht sogar einer der spannendsten Stadtteile Landaus.
Website des Entwicklungsprojekts
https://mitredeninld.de/page/Quartiersmanagement_Horst
Das komplette Entwicklungskonzept findet sich unter https://static.werdenktwas.de/domain/217/fs/Sozialer_Zusammenhalt/ISEK_LandauFinal_web.pdf
Infos zum Mehrgenerationenhaus: https://www.landau.de/Leben-Wohnen/Lebenslagen/Kinder-Jugendliche/Jugendf%C3%B6rderung-/Mehrgenerationenhaus/
Ein Bericht über die "Aktion Horst" findet sich im Pfalz Express.
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
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