Wer mit Frank Hetzer durch den weitläufigen Goethepark Landau geht, erlebt mehr als einen Spaziergang. Bei seinen Parkführungen erzählt er Geschichten – von alten Bäumen, von der Zeit als Landau Garnisonsstadt war, und von den Ideen zweier vorausschauender Architekten, die den Park schon vor über hundert Jahren mit Blick in die Zukunft entwarfen. Hetzer weiß, wovon er spricht: Viele Jahre leitete er das Gartenbau- und Friedhofsamt der Stadt Landau. Und auch heute noch ist er regelmäßig hier unterwegs, mit einem Blick für Details, die andere oft übersehen.
Mein Lieblingsort? Da gibt’s keinen speziellen Platz

Frank Hetzer
Der Goethepark ist kein Park im engen Sinne. Er ist ein Stück Landschaft mitten in der Stadt. Angelegt als englischer Landschaftsgarten, mit geschwungenen Wegen, offenen Flächen und gezielt gesetzten Blickachsen. Er ist Teil einer Idee: rund um die Stadt einen Kranz aus Grünanlagen zu schaffen – als Gegengewicht zum Festungsgürtel, der damals die Stadt eng begrenzte.
Der damalige Oberbürgermeister Friedrich Mahla (1851–1913) brachte es auf den Punkt: Die Parks sollen den Landauern den Wald ersetzen. Eine echte Stadtvision in jener Zeit, die bis heute spürbar nachwirkt, die Goethepark und Schillerpark fast nahtlos miteinander verbindet. Auch um den Park herum ist diese Zeit noch präsent: in den architektonisch bemerkenswerten Häusern, die bis heute den Charakter des Viertels prägen.
Ein architektonisches Kleinod von 1901
Im Herzen des Parks steht ein Bauwerk, das von früheren Zeiten erzählt: die Konzertmuschel. Ein architektonisches Kleinod, errichtet im Jahr 1901.
Die Konzertmuschel
Vor wenigen Jahren noch war die Konzertmuschel an Sommersonntagen jahrelang ein beliebter Treffpunkt: bei den „Goethepark-Plaudereien“ saßen viele Menschen mit Klappstühlen auf der Wiese, hörten zu, kamen ins Gespräch. Es gab Musik, eine Moderation, und jedes Mal stand ein Thema im Mittelpunkt – mit Menschen, die etwas dazu zu sagen hatten. Offen für alle, generationenübergreifend, und kostenfrei.
Seit 2024 gibt es diese Reihe nicht mehr. Aber natürlich finden in der Konzertmuschel auch heute noch Veranstaltungen statt, z.B. die "Sonntagskonzerte im Goethepark".
Vom Zierpark zum Lebensraum
Der Park hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder verändert, sich dem Zeitgeist immer wieder angepasst. Früher gab es große, sorgfältig strukturierte Blumenrabatte entlang der Wege. Die stadteigene Gärtnerei, die es damals noch gab, sorgte für die Aufzucht der Tausenden von Pflanzen. „Betreten des Rasens verboten“ – das war lange selbstverständlich. Der Park war ein Ort zum Spazierengehen, zum Sehen und Gesehenwerden.
Zwei Fotos aus derselben Perspektive – die großen Zierbeete vor 1994 und die offene Rasenfläche heute
Ein positives Ergebnis: der Park wurde lebendiger, nicht nur zum Anschauen, sondern zum Leben und Genießen. Heute sitzen Menschen auf den Wiesen, turnen Gymnastikgruppen, Kinder spielen, es wird gepicknickt, gefeiert, der Raum anders genutzt. Die Pflege wurde reduziert, manches einfacher gestaltet. Statt aufwendiger Wechselbepflanzung setzte man weniger pflegeintensive Begrünung, etwa bodendeckende Rosen. Und heute gibt es an manchen Stellen Flächen, die weitgehend sich selbst überlassen bleiben, auf denen sich die natürliche Pflanzen- und Insektenwelt entwickelt.
Bildergalerie: Im Goethepark
Kleine Geschichten am Wegesrand
Was ist Frank Hetzer aus seiner Zeit als Leiter vom damaligen Garten- und Friedhofsamt im Gedächtnis geblieben? Er lacht und erzählt eine Geschichte, die allerdings nicht im Goethepark spielt. Zwischen Wollmesheim und Mörlheim, so erzählt er, gibt es eine ziemlich steile Verbindungsstraße. „Wir haben dort einfach ein paar Bäume gepflanzt – ohne große Abstimmung. Damals sind wir gar nicht auf die Idee gekommen, nachzufragen.“Doch das Straßenbaumat in Speyer forderte, die Bäume sofort wieder zu entfernen – man habe andere Pläne, die Straße solle verbreitert werden. Passiert das allerdings bis heute nicht. Dabei, sagt Hetzer, wären die Bäume heute eine wunderbare Straßenbegleitung geworden.
Heute liegt die Verantwortung für die Grünanlagen in neuen Händen. Mit Sabine Klein im Grünflächenamt gibt es seit 2008 eine Nachfolgerin, die Hetzer sich, wie er sagt, kaum besser hätte wünschen können – eine erfahrene Leiterin, die die Anlagen mit ebenso viel Fachwissen wie Herzblut weiterentwickelt.
Zwischen Bewahren und Verändern

Der beeindruckende Gingko-Baum, gepflanzt ca. 1872
Für Frank Hetzer sind es gerade die Bäume, die den Charakter des Parks ausmachen. Mit besonderer Begeisterung spricht er von den alten Beständen – von markanten Einzelbäumen, die über Jahrzehnte gewachsen sind und dem Park seine unverwechselbare Prägung geben.
Doch die Bedingungen verändern sich. Hitze, Extremwetter und vor allem die Trockenheit setzen vielen Arten zu. Deshalb wird heute allgemein bei der Begrünung der Stadt bewusst auf Bäume gesetzt, die besser mit diesen Herausforderungen umgehen können: Feldahorn, Hainbuche, Ginkgo, immergrüne Magnolien oder Lederhülsenbäume. Es ist ein behutsames Weiterbauen an einem gewachsenen Ganzen.
Was sich Frank Hetzer wünscht, ist einfach: dass der Charakter des Parks erhalten bleibt. Keine grundlegenden Eingriffe. Kein Verlust der Weite, der Ruhe, der Selbstverständlichkeit, mit der dieser Ort in der Stadt liegt.
Wer mehr über Geschichte und Charakter von Goethe- oder auch Schillerparks erfahren möchte, dem seien die öffentlichen Führungen mit Frank Hetzer sehr empfohlen.
Und wer sich auch für den wunderbaren Schillerpark interssiert, der wird fündig unter gruene-oasen-vom-rathausplatz-zum-schillerpark.html.
Hier findet man die Führungen mit Frank Hetzer
Buch "Die Gartenstadt Landau und ihre Parks" von Frank Hetzer
Mit Frank Hetzer sind wir auch durch den Schillerpark spaziert.
Artikel von Frank Hetzer über die SÜWEGA 1949
Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion
Fotos © Frank Hetzer, Redaktion
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