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Besuch bei Carina Langer - Ortsvorsteherin in Landau-Mörzheim

Zwischen Heimat und Paragraphen

Wer nach Mörzheim, einem der acht Landauer Stadtdörfer, kommt, merkt schnell: Dieses Dorf drängt sich nicht auf – es entfaltet sich. Zwischen Weinbergen, Mandelblütenbäumen und Sonnenblumenfeldern liegt ein Ort, der ruhig wirkt und doch voller Leben steckt. „Klein, aber oho“ – so sagt Ortsvorsteherin Carina Langer - und man spürt sofort: Das ist keine Beschreibung, sondern echte Verbundenheit.

Wer genauer hinschaut, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt. Mehrere Ecken, an denen Wildtulpen wachsen, geschützt und einzigartig in der Region. Eine Alpakafarm, die Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistert. Ein Schulbauernhof, auf dem Lernen wieder nach Erde, Tieren und echter Arbeit riecht. Dazu engagierte Gruppen wie der NABU, die sich um Natur und Artenvielfalt kümmern und ein umfangreiches Jahresprogramm rund um Wildpflanzen, Kräuter und Düfte bieten.

Doch Mörzheim ist mehr als Natur. Es ist Gemeinschaft. Rund 15 Vereine prägen das Dorfleben – von Landfrauen über Chor und Kultur- und Förderverein. Vom Sportverein, Tennisclub bis zur Feuerwehr und den Pfadfindern – und viele mehr. Für Carina Langer ist das kein Nebeneinander, sondern ein Miteinander, das trägt: "Hier kennt man sich. Hier hilft man sich."

Die neu belebte Alte Kelter

Günther Becker in seiner Alten Kelter

Ein besonderer Mittelpunkt ist die Alte Kelter, "Darüber freuen sich die Mörzheimer sehr, es ist ein Ort kommunikativer Begegnung und ein Stück gelebte Dorfgeschichte." Weine aus nachhaltigem Anbau gibt es hier und natürlich die bekannten Pfälzer Spezialitäten. Jahrzehntelang hat Günther Becker diesen Ort aufgebaut und geprägt. Und heute führt sein Sohn die Tradition fort.

Der Raum wirkt wie ein gewachsenes Stück Vergangenheit: Antiquitäten, Fundstücke, Erinnerungen, zusammengetragen über Jahrzehnte. Nichts geschniegelt, nichts perfekt – und gerade deshalb voller Charme. Am Wochenende ist Günther Becker meistens da. Ohne Handy, dafür mit Geschichten, Humor und einer spürbaren Liebe zum Ort. Ob sich in Mörzheim etwas ändern soll? Er schmunzelt: „Wenn ich ehrlich bin, für mich kann’s so bleiwe“,

Zwischen Engagement und Realität

Doch hinter der Idylle steckt viel Arbeit. Carina Langer kennt beide Seiten.

Sie ist Saarländerin, hat in Landau studiert, die Familie lebt im Dorf, gemeinsam haben sie ein altes Haus im Ortskern kernsaniert, Sie ist keine klassische Berufspolitikerin: Sie hat Verwaltungserfahrung, war von 2010 bis 2015 persönliche Referentin von Hans-Dieter Schlimmer im Umfeld der Landauer Landesgartenschau, heute ist sie Oberregierungsrätin in Baden-Württemberg.

Heute ist sie mit ihrer Familie fest verwurzelt im Ort. Deshalb sagte sie auch ja, als sie gefragt wurde, ob das Ehrenamt der Ortsvorsteherin übernehmen würde

„Ich wollte etwas bewegen“, sagt sie. „Vielleicht auch ein bisschen naiv – denn ein solches Ehrenamt bringt viel Arbeit mit sich.“

Mindestens zehn Stunden pro Woche investiert sie – oft mehr. Denn vieles landet direkt bei ihr auf dem Schreibtisch: übervolle Mülleimer, Hundekotbeutel, Straßenbeleuchtung, Bauplätze, Beschwerden. „Leider fehlt mir bei den Themen, die ich mit der Verwaltung absprechen muss, oftmals das Wesentliche, nämlich dass es um den Menschen geht. Es ist vielmehr das Abarbeiten von Paragraphen und Vorgaben, aber der Mensch zieht hier leider oft den Kürzeren. Und leider haben die Ortsvorsteher und Ortsvorsteherinnen nach wie vor wenig Entscheidungsmacht. Die wesentlichen Entscheidungen werden in den FAchämtern der Verwaltung getroffen und wir dienen nur als Vermittler."

Bildergalerie: Mörzheim
Ein Rundgang durch das Stadtdorf Mörzheim. Aufnahmen von Februar und April 2026.

Zwischen alten Häusern und neuen Ideen

Ein Thema bewegt sie besonders: die Leerstände im Ortskern. "Wir sind sehr stolz auf unser Neubaugebiet 'Am Schlittweg' und dankbar, dass es so gut angenommen wird. Gleichzeitig nehmen die Leerstände im Ortskern aber auch immer mehr zu. Sanierungen alter Gebäude sind teuer und teilweise sehr aufwendig. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung über den Charme solcher Häuser und finde es wichtig deren Historie zu erhalten. Mir fehlt es an einer Aufklärung, welche Möglichkeiten ein künftiger Bauherr bei solchen Gebäuden hat. Daher wünsche ich mir für Mörzheim die Ausweisung eines Sanierungsgebietes und vor allem die Information, welche Fördermöglichkeiten gegeben sind."

Und dennoch: Viele junge Menschen kommen zurück nach Mörzheim. „Viele gehen zum Studieren weg – aber es kommen auch etliche wieder zurück. Weil sie merken: Hier ist Heimat.“

Auch die Flexline sieht sie als Gewinn: „Das macht uns unabhängiger von Busfahrplänen.“ Geschäfte gibt es hier ja nicht mehr, wie in vielen anderen kleineren Orten auch. Aber, fügt sie mit einem Lächeln hinzu: „wir haben hier den anerkannt besten Pizzaservice im Umfeld.“

Wenn Bürger gemeinsam gestalten

Der Spielplatz kurz vor der Eröffnung

Ein großes Thema ist die Kommunikation. Es gibt einen Ortsbrief – klassisch auf Papier, ergänzt durch QR-Code, der zur neuen Whats-App-Gruppe führt, di emit ca. 300 Personen gut angenommen wird.

„Im Dorf kennt jeder jeden – Fluch und Segen zugleich“, sagt Langer. Fluch, weil oft übereinander gesprochen wird statt miteinander. Segen, weil viele zusammen halten und sich beteiligen."

Zum Beispiel bei dem Thema Spielplatz haben sich viele Einwohner mit beteiligt. "Dank einer Bürgerinitiative erhielten wir vor vier Jahren aufgrund des Wegfalls unseres alten Spielplatzes in Mörzheim einen provisorischen bis es vor zwei Jahren in die Planung zu unserem neuen Spielplatz ging, an dem sich Interessierte beteiligen durften."

Die Bürger und BürgerInnen diskutierten gemeinsam über den vom Grünflächenamt erstellten Vorschlag, brachten Ideen ein, stimmten ab, mit Klebepunkten: eine oder zwei Schaukeln? Wasserbecken ja oder nein? Wie viele Sitzplätze wo? Am Ende entstand ein wirklich schöner Spielplatz, der genau das geworden ist, was sich viele gewünscht haben. „So stelle ich mir Bürgerbeteiligung vor."

Bei uns ist die Welt noch in Ordnung

Warum sie das Ehrenamt trotz aller Herausforderungen macht? „Weil Mörzheim funktioniert. Weil sich Menschen kümmern. Weil Vereine tragen. Weil Begegnung möglich ist. Ich will nicht nur zuschauen, sondern gestalten."

Und wie geht sie mit Nörglern um, die es sicher auch hier gibt?

Sie lächelt und überlegt kurz. Dann sagt sie ruhig:

"Ich versuche vor allem zu erklären, welche bürokratischen Hürden zu nehmen sind bei eigentlich kleinen Dingen. Ich möchte damit klar machen, dass vieles eben nicht mal schnell geht. Gleichzeitig mache ich aber immer auch deutlich: Mit Blick auf die Weltlage ist die Welt bei uns in Mörzheim ja eigentlich noch sehr in Ordnung."


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INFOBOX

Homepage von Mörzheim

Die Historie und Zahlen von und über Mörzheim findet man auf Wikipedia

Website der Alten Kelter

Bei Instagram ist der SV Mörzheim vertreten

Der NABU Landau-Stadt e.V. engagiert sich für die Erhalten der Streuobstwiesen in Mörzheim

Weingut Kuntz (das jährliche Alpaka Schurfest): https://www.weingutkuntz.de/

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Redaktion

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