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Bergsport boomt - gemeinsam hoch hinaus

Alpenverein Landau: Outdoor-Aktivitäten für alle Generationen

Alpenverein in Landau? Wie das? Die Alpen sind einige hundert Kilometer entfernt. Doch Bergsport gibt es auch bei uns: Die beliebten Buntsandsteinfelsen des Wasgaus locken Kletterer aus nah und fern. Der Pfälzerwald bietet unzählige Möglichkeiten zum Wandern und Mountainbiken. Und für Hochtouren über Gletscher geht es dann tatsächlich in die Alpen.

Fred Gosert

Einer, der an den heimischen Felsen seine Leidenschaft fürs Klettern entdeckt hat, ist Fred Gosert. 1979 war er 20 Jahre alt, als ein Freund einen Kletterkurs im Pfälzerwald gebucht hatte, aber nicht teilnehmen konnte. Gosert sprang für ihn ein – und blieb beim Klettern hängen. Aus dem Zufall wurde eine Leidenschaft, die ihn bis heute begleitet.

Später wurde Gosert Erster Vorsitzender der Landauer Sektion des Deutschen Alpenvereins. Den Vorsitz hat er inzwischen abgegeben, nicht aber sein Engagement: Der 67-Jährige ist nach wie vor als Trainer für Hochtouren mit Gruppen in den Bergen unterwegs.

Von Familien bis Hochtouren

Rund 4.500 Mitglieder zählt die Landauer Sektion heute. Und längst dreht sich nicht alles ums Klettern. Familien sind mit Kindern unterwegs, Senioren wandern regelmäßig im Pfälzerwald, Sportliche zieht es auf's Mountainbike oder zum Bouldern (Bouldern nennt man das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken oder an künstlichen Kletterwänden bis zur Absprunghöhe). Dazu kommen Kletterkurse, Bergwanderungen und anspruchsvolle Hoch- und Gletschertouren und im Winter Ski- und Schneeschuhwandern.

Dass eine Sektion dieser Größe ein so breites Programm anbieten kann, liegt für Gosert vor allem an den vielen Ehrenamtlichen. Rund 80 ausgebildete Trainer, Touren- und Wanderführer engagieren sich in den unterschiedlichen Bereichen. "Unser Angebot kann sich durchaus mit dem einer Großstadt wie Karlsruhe messen", sagt Gosert - und man hört ihm den Stolz auf die Landauer Sektion an.

Und das Interesse ist groß. Wenn Anfang Januar das neue Jahresprogramm erscheint und die Mitglieder informiert werden, heißt es bei manchen Angeboten: schnell sein. Begehrte Touren und Kurse können rasch ausgebucht sein.

Nach den Corona-Jahren, beobachtet Gosert, sei außerdem der Wunsch gewachsen, wieder gemeinsam etwas zu unternehmen und Gleichgesinnte kennenzulernen.

Hochtouren sind besonders anstrengend, aber auch besondere Erlebnisse

Gerade am Berg wird aus Gemeinschaft Vertrauen. Einer steigt, der andere sichert. Auf anspruchsvollen Touren muss man sich unbedingt aufeinander verlassen können. Deshalb schaut Gosert genau hin, wer für eine Tour die nötige Kondition und Erfahrung mitbringt. Für anspruchsvollere Unternehmungen gibt es Anforderungsprofile, Fragebögen und Vorgespräche. Am Berg muss nicht nur jeder Einzelne der Aufgabe gewachsen sein – zusätzlich muss die Gruppe auch menschlich zusammenpassen.

Verantwortung am Berg

Für Gosert macht es einen großen Unterschied, ob er zu zweit oder mit einer Gruppe in den Bergen unterwegs ist. "Zu zweit muss sich jeder auf den Anderen verlassen können. Als Tourenführer einer Gruppe muss man für alle mitdenken."

Dabei darf eine Tour durchaus fordern. „Die Teilnehmer sollen die Strapazen spüren, aber die Tour auch genießen können“, sagt Gosert. Was die gemeinsam bewältigte Anstrengung auslösen kann, zeigt sich manchmal erst ganz oben. Stunden des Aufstiegs liegen hinter der Gruppe, der Gipfel ist erreicht. „Da kommen auch gestandenen Männern die Tränen", erzählt Gosert. Im Alltag, gegenüber Familie oder Bekannten, gebe man sich oft cool und beherrscht. „Aber in einem solchen Moment kommen die ganzen Emotionen heraus.“

Das sind Erlebnisse, die verbinden. Wer sich beim Klettern, Wandern oder auf einer Hochtour kennenlernt, trifft sich oft auch privat wieder. Beim jährlichen Hüttenfest an der Ringelsberghütte kommen viele zusammen, tauschen Erlebnisse aus – und planen vielleicht schon die nächste gemeinsame Unternehmung.

Ganz wichtig ist Gosert die Qualifizierung der Verantwortlichen bei den Touren: Wer beim Alpenverein eine Gruppe führt, braucht mehr als sportliches Können. Die Ausbildung der Trainer ist anspruchsvoll: Es geht um Gruppenführung, Sicherheit, Gesundheit, Bergung und alpine Gefahren. Auch danach müssen sie am Ball bleiben und spätestens alle drei Jahre ihre Lizenz mit einer Fortbildung auffrischen.

Von klein auf in Bewegung

Spiel und Spaß für die Jüngeren gehören immer dazu

Auch für Familien und Kinder gibt es in der Landauer Sektion eigene Angebote. Klettern kann ein spielerischer Einstieg in Bewegung und Sport sein. Dabei erleben die Kinder, was der eigene Körper kann, probieren einen Griff und schaffen ihn vielleicht erst beim zweiten oder dritten Versuch. Wer von klein auf Sport treibt, für den kann Bewegung später ganz selbstverständlich zur Freizeit gehören. Und während Hände und Kopf am Fels beschäftigt sind, hat das Handy Pause.

Rücksicht auf Natur und Umwelt

Egal, ob man im Pfälzerwald oder in den Alpen unterwegs ist: man bewegt sich in einem sensiblen Naturraum. Für den Alpenverein gehört deshalb Rücksicht selbstverständlich zum Bergsport: keinen Müll hinterlassen, sensible Bereiche schützen. Während der Brutzeit bestimmter Vögel werden einzelne Felsen fürs Klettern gesperrt. Auch Chalk soll sparsam verwendet werden: Das weiße Magnesia hinterlässt weithin sichtbare Spuren am Fels.

Bei den großen Touren achtet man verstärkt auf die CO₂-Bilanz. Bis 2030 will der gesamte Alpenverein klimaneutral werden. Die Anreise ist bei den Bergtouren der größte Emissionsfaktor. Daher bemüht man sich, diese so klimaverträglich wie möglich zu gestalten. Fahrgemeinschaften oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind dabei ein wichtiger Faktor. Aber auch Dinge wie Unterbringung und Ernährung finden Beachtung, denn das Ziel der Klimaneutralität gilt nicht nur im Großen, sondern für jede einzelne Sektion.

Zum Abschluss unseres Gespräches fasst Fred Gosert die Motivation für sein Vereinsengagement zusammen: „Gemeinsame Erlebnisse mit Anderen und fit bleiben“, sagt der 67-Jährige.

Alpenverein in Landau? Der Wasgau vor der Haustür, die Alpen im Blick – passt.

Mehr zum Thema

Website des Deutschen Alpenvereins

Infos über die regionalen Aktivitäten findet man unter https://www.dav-landau.de/

Bei Facebook gibt es eine Gruppe zum Deutschen Alpenverein

Der Verein ist auch auf Instagram vertreten, ebenso dessen Landauer Sektion: https://www.instagram.com/davlandau/ und die Vereinsjugend unter https://www.instagram.com/jdavlandau/

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Fred Gosert / Alpenverein