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Anna Linß - Stifts- und Bezirkskantorin

Mit Herz und Taktstock durch die Klangwelt der Kirchenmusik

Wenn Anna Linß – seit ihrer Hochzeit (nach Erscheinen dieses Artikels) jetzt Anna Croissant – über Musik spricht, dann leuchten ihre Augen. Sie ist die Frau, die in Landau so viel Klang zusammenhält: die Kantorei, dazu die Kinder-, Jugend- und Seniorenkantorei und das Südpfälzische Kammerorchester. Rund 140 Menschen gehören insgesamt dazu – ein Freund aus Dresden staunte einmal: „Das ist eine Utopie! Eine so große Beteiligung gibt’s heute kaum noch.“ Außergewöhnlich auch: Fast ein Drittel davon sind Männer.

Anspruchsvolles Programm in der Stiftskirche

Seit Oktober 2017 ist Anna Linß Stifts- und Bezirkskantorin in Landau. Gottesdienste, Oratorien, Konzerte auf hohem Niveau - dafür steht die Landauer Kantorei. Vom Kindermusical bis zur kleinen Kammermusik, vom klassischen Orgelkonzert bis zum experimentellen Kunstspektakel - die Bandbreite ist abwechslungsreich. Sie umfasst Barockmusik aus dem 16. Jhrd bis hin zu aktuellen Stücken oder Adventskonzerten.

Doch was macht das Singen mit den Menschen?

Von links nach rechts: Anna Linß, Dagmar Rheude, Monika Wehn

„Es senkt den Blutdruck, verbessert die Haltung, man atmet tiefer – und vor allem: man vergisst den Alltag.“ Zwei Stunden Probe, erzählt Linß, und alles Schwere fällt ab. Dann zählt nur der nächste Takt.

Natürlich laufen die Proben unterschiedlich ab: Die Kinder beginnen schon mit drei Jahren, erst mal eine halbe Stunde. "Kinder singen und tanzen von allein", sagt Linß, "und sie lernen dabei fürs Leben: aufeinander hören, sich zurücknehmen, in eine Gruppe einfügen, Selbstvertrauen entwickeln." Es gibt auch Kindermusicals. "Die Sprache wird gefördert, Texte mit Musik schneller gelernt."

Singen hält jung, Gemeinschaft macht Spaß

Senioren proben länger, für sie steht die Freude am Singen im Vordergrund, sie wollen gut sein, aber der Leistungsdruck ist nicht so hoch. "Und unsere Senioren sind aktiv und fit, anscheinend hält Singen jung, sie haben noch viele andere Hobbys." Dagmar Rheude, schon seit 50 Jahren im Chor, lächelt: "Nicht nur Singen macht Spaß, auch die Gemeinschaft im Heimatchor ist wichtig. Nach der Probe gehen wir oft noch in ein Lokal - die machen extra für uns länger auf."

Dass Linß Musik zu ihrem Beruf machen würde, war nicht selbstverständlich. In ihrer Familie spielte zwar jeder ein Instrument, und sie selbst begann mit Klavier, dann mit Orgel, weil ein Lehrer Orgelschüler suchte. Doch die Eltern waren skeptisch: „brotlose Kunst“. Das Studium (Studienfach Kirchenmusik) war hart und die Lehrer negativ: „Aus Ihnen wird nichts.“ Doch sie hielt durch – die Prüfung im Fach Orgel legte sie 2012 mit Auszeichnung ab. Wenn das Üben schwerfiel, half es machmal, wenn Freunde sagten: „Komm, jetzt ist Pause, wir gehen Kaffee trinken.“ Danach klappte manches dann doch wie von selbst.

Anna Linß

Dagmar Rheude

Dozentin in der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte Schlüchtern

Besonders prägend waren die Fortbildungen im Kloster Schlüchtern: Musik von morgens bis abends, Theorie und Praxis, gemeinsames Erleben über Generationen. „Am liebsten wäre ich dort geblieben.“ Seit 2011 ist Anna Linß Dozentin für Hörschulung, Musiktheorie, Orgelbau und Orgel an der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte in Schlüchtern.

Heute lebt Linß ihren Traumberuf

Er umfasst weit mehr als Dirigieren: Marketing, Finanzpläne, Flyer – alles läuft über ihren Tisch. Und doch bleibt die Musik der Kern. Von Bach und Mendelssohn bis hin zu modernen Komponisten – Abwechslung ist ihr wichtig.

Was geschieht, wenn eine Dirigentin einmal ausfällt? Kommen die Sänger und Sängerinnen damit zurecht? "Ja, Dirigieren, sagt sie, ist eigentlich Körpersprache. Ein Dirigent ist ein Dompteur. Rechte Hand: Takt. Linke Hand: Ausdruck." Natürlich hat jeder Dirigent seine eigene Körpersprache und es braucht schon Konzentration, sich darauf einzustellen.

Und so ist Anna Linß weit mehr als „nur“ Dirigentin: Sie ist Herz und Motor einer lebendigen Musiklandschaft, die in Landau Menschen aller Generationen zusammenführt. Für viele ist die Probe nicht nur Training, sondern ein Stück Lebensfreude – und wenn die letzten Töne eines Konzerts in der Stiftskirche verklungen sind, spürt man: Musik schafft Gemeinschaft, die weit über den einzelnen Takt hinausreicht.

Dieser Beitrag wurde geschrieben von: Redaktion

Fotos © Redaktion

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